Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.06.2018


Bezirk Reutte

Biberwier bleibt bei Deponie auf Linie

Gemeinderat wird mit Reuttener Firma weiterverhandeln. Zwei Gemeinderätinnen warfen das Handtuch.

© Paschinger AlexanderSymbolfoto.



Von Helmut Mittermayr

Biberwier – Die umstrittene Bodenaushubdeponie Fernpasshöhe war in der Gemeinderatssitzung in Biberwier am Donnerstagabend wieder Thema, nachdem der Punkt in der vorangegangenen Sitzung von Bürgermeister Paul Mascher abgesetzt worden war. In der Gemeindestube hatte sich, wie berichtet, ein veritabler Streit entwickelt, weil die Opposition um GR Harald Schönherr die Meinung vertritt, dass die Konditionen, zu denen die Gemeinde die Deponie an ein Reuttener Unternehmen vorgehabt hat zu vergeben, weit unter dem in Tirol üblichen Marktwert liegen würden. Schönherr hat deshalb die Staatsanwaltschaft informiert.

Die große Mehrheit der Mandatare sieht sich jedenfalls vertraglich an das Unternehmen gebunden und stimmte Donnerstagabend erneut dafür, dass der Gemeindevorstand weitere Verhandlungen mit der Firma führen soll. Das Ergebnis lautete: sieben Ja-Stimmen, zwei Nein, eine Enthaltung und eine Befangenheit. Substanzverwalter Josl Schönherr, der die Anlage in seinem Zivilberuf für das Unternehmen auch plant, erklärte sich für befangen. Harald Schönherr, der wieder dagegen gestimmt hatte, ätzte, was nun eigentlich weiterverhandelt werden solle. Der angeblich an das Unternehmen bindende Vertrag sei ihm nicht bekannt.

Für Bürgermeister Paul Mascher gehen die Angriffe hingegen viel zu weit. Auf die TT-Frage nach der eigenen Befindlichkeit sagte Mascher am Freitag: „Ich habe langsam eine dicke Haut bekommen. An mir prallt das allermeiste ab. Aber sicher nicht Verleumdungen wie etwa, dass gleich acht Gemeinderäte bei der Staatsanwaltschaft angezeigt worden sein sollen, dabei ist es nur eine Person. Das prallt nicht ab.“ Dieses „Sich-beflegeln-lassen-Müssen“ sei nicht für alle ertragbar. Deshalb ist der Dorfchef über die aktuellen Demissionen zweier Gemeinderätinnen auch nicht verwundert.

Heidi Hofherr-Kuprian hatte ihren Rücktritt in der Sitzung bekannt gegeben. „Ich hätte mir nie gedacht, in was ich da reingezogen werde, welche Anfeindungen passieren. Das ist mir zu viel, das schlägt mir auf die Nerven. Ich denke die ganze Zeit nur noch an diese Sache. Aber ich habe Familie, drei Kinder“, sagt Hofherr-Kuprian gegenüber der TT. Sie und die zweite zurückgetretene Gemeinderätin Sabine Kerber hätten in den letzten zwei Jahren für die Jugend in der Gemeinde so viel geschafft und gerne weiter daran gearbeitet. Diese Streitereien seien aber nicht mehr auszuhalten. Während bei Heidi Hofherr-Kuprian noch eine Woche vergehen muss, bis ihr Rücktritt in Rechtskraft erwächst, ist er bei Sabine Kerber bereits gültig. Kerber möchte sich dazu aber nicht öffentlich äußern. Ihr folgt Josef Luttinger als Gemeinderat nach.




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