Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.06.2018


Bezirk Kitzbühel

Ringen um Elisenhöfe in Kirchberg

Die Gemeinde Kirchberg will sich nun selbst um das 16.700 m2 große Grundstück bemühen. Aber auch die Neue Heimat Tirol hat ihr Interesse an der Fläche bekundet.

© Harald Angerer Die Gemeinde macht sich nun auch stark um die Elisenhöfe mit gut 16.700 m2 Fläche.Foto: Angerer



Von Harald Angerer

Kirchberg i. T. – Grundstücke für Einheimische zu leistbaren Preisen sind rar, so auch in Kirchberg. Nun könnte die Gemeinde aber zu einer gut 16.700 m² großen Fläche kommen, die so genannten Elisenhöfe. Diese sind schon länger Thema im Kirchberger Gemeinderat. Denn den Ball ins Rollen gebracht hat der private Wohnbauträger ZIMA. Der hatte mit den Grundbesitzern verhandelt und der Gemeinde ein Wohnbauprojekt vorgelegt. Doch damit blitzte die ZIMA im Oktober des Vorjahrs ab. Der Gemeinderat stimmte gegen das Projekt.

Gescheitert ist der Wohnbauträger vor allem an den ÖVP-nahen Listen „Unser Kirchberg“ und „Dei Hoamat Tourismus – Wirtschaft – Umwelt“, welche die Mehrheit im Gemeinderat stellen. Sie waren der Meinung, dass sich die Gemeinde selbst um das Grundstück bemühen sollte. Und genau das haben die ÖVP-Listen dann auch gemacht. Es gab ein Gespräch mit der ZIMA und dem Grundstücksbesitzer am 30. Mai. Bei der jüngsten Gemeinderatssitzung war nun das Angebot Thema.

Hier konnte auch Bürgermeister Helmut Berger (SPÖ) einen neuen Interessenten für die Fläche nennen. Die Neue Heimat Tirol (NHT)hat ebenfalls ein Kaufangebot gestellt. Auch hier fand am 30. Mai eine Sitzung statt, bei der neben dem Bürgermeister auch der zweite Vizebürgermeister Josef Eisenmann (SPÖ) und NHT-GF Hannes Gschwendtner anwesend waren, ebenfalls dabei war der langjährige Vorgänger von Gschwendtner, Luis Leiter. Er war bis vor Kurzem SPÖ-Gemeinderat in Kirchberg.

„Es geht nicht darum, wer sich das an die Fahnen heftet. Wir haben als gewählte Gemeinderäte dafür zu sorgen, dass wir Entwicklungsflächen für die Kirchberger sichern“, sagt Vizebürgermeister Andreas Schipflinger (Unser Kirchberg). Er bezeichnet das NHT-Angebot allerdings als kurios. „Ich weiß nicht, wo das plötzlich herkommt, aber wir werden uns hier doch nicht wieder von jemandem abhängig machen, wenn wir uns die Fläche selbst sichern können“, erklärt Schipflinger weiter.

Die Neue Heimat würde auf einem Drittel des Areals eine Wohnanlage bauen. Die restliche Fläche könnte dann von der Gemeinde gekauft werden, hier räumt sich aber die NHT eine Option auf ein Baurecht ein. Zugeknöpft gibt sich Bürgermeister Berger zu der weiteren Vorgangsweise. „Das Angebot der Neuen Heimat ist das gleiche wie jenes der ZIMA. Wir werden nun weitere Gespräche führen“, sagt Berger auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung. Im Gemeinderat wurde beschlossen, dass der Gemeindevorstand die Verhandlungen mit dem Grundstückseigentümer führen soll.

Würde Kirchberg selbst das Grundstück kaufen, müssten gut 4,3 Millionen Euro dafür aufgewendet werden. Der Grundbesitzer stellt aber ebenfalls Bedingungen, so müsste der Verkauf bis Ende Juli über die Bühne gehen und eine Umwidmung darf erst in frühestens fünf Jahren erfolgen.

Unter Druck setzen lassen will sich Bürgermeister Berger allerdings nicht. „Es kann schon sein, dass der Grundstücksbesitzer eine rasche Entscheidung will, aber wir haben sicher keine Eile“, sagt Berger. Dennoch will er die Gespräche in einem bis eineinhalb Monaten unter Dach und Fach haben – was dann auch wieder Ende Juli wäre.


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