Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 15.06.2018


Pflege

Warnung vor Notstand bei Pflegepersonal in Tirol

Mindestens 300 neue Pflegekräfte pro Jahr benötigt Tirol. Ein Bedarf, der nur schwer zu decken sein wird, sagt die ARGE Altenheime. Die Politik sei gefordert.

© bWollen aufzeigen, was im Pflegekräftenachwuchs getan werden muss: Hubert Innerebner, Robert Kaufmann, Arnold Schett (v. l.).Foto: Mitterwachauer



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Man wolle weder übertreiben noch beschwichtigen. Doch auf ein drohendes Katastrophenszenario müsse man hinweisen. Das sagte gestern die ARGE Tiroler Altenheime mit Obmann Robert Kaufmann sowie den Beisitzern Hubert Innerebner und Arnold Schett. Die Lage im Pflegekräftenachwuchs sei besorgniserregend. Das hat die TT in der vergangenen Woche mehrmals thematisiert. Kaufmann sieht aktuell noch keinen Pflegekräftenotstand. Die Betonung liegt auf dem Wort „noch“. Werden jetzt keine Maßnahmen ergriffen, dann habe Tirol und mit ihm Österreich recht bald ein massives Problem – da sind sich alle drei Herren einig.

Sie berufen sich auf valide Berechnungen, die sie anhand von Erhebungen in den 91 Tiroler Heimen durchgeführt haben. Als Resultat von kontinuierlichem Ausbau der Infrastruktur (Strukturplan Pflege 2022) und natürlichen Abgängen (Pensionierungen) benötige die Tiroler Heimlandschaft Jahr für Jahr 300 neue Pflegekräfte, um den Bedarf decken zu können. Konservativ gerechnet, wie Kaufmann anführt. Nicht miteingerechnet sei der Personalbedarf bedingt durch Aussteiger, Frühpensionierungen oder aber auch bereits bestehende Fehlbelegungen. Jenes Pflegepersonal, das der Krankenhaussektor benötige, sei in diesen Berechnungen gänzlich außen vor. Von der fachlichen Qualifikation her sei die Nachfrage nach Pflegeassistenzkräften zentral. Doch woher diese nehmen? Der Nachwuchs ist spärlich gesät, eine Folge des demografischen Wandels.

Am Montag hat man die Ergebnisse Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (VP) präsentiert. Die Zahlen seien „angekommen“, hieß es gestern. Der Politik richtet die ARGE aus: Es brauche eine umfassende Imagekampagne – 16-Bogen-Plakate alleine seien zu wenig. Stattdessen müssten bisherige Tabus aufgebrochen werden. Die Einführung eines Lehrberufs müsse überlegt, der Blick auf der Suche nach neuen Pflegekräften auch über die Grenzen (gezielte Anwerbung, leichtere Anerkennung von Ausbildungen) gehen. Die Drop-out-Raten in der heimischen Ausbildung müssten gesenkt, der zweite Bildungsweg erleichtert werden. Nur ein Bündel von Maßnahmen werde es schaffen, die Pflegekräftesituation zu lösen, hieß es gestern.