Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 23.06.2018


Bezirk Landeck

Dickes Venetpaket geschnürt

Landecks Gemeinderat hat Investitionen in Höhe von 2,46 Mio. Euro zur Attraktivierung des Sommerangebots beschlossen. Opposition vermisst Detailinfos und stimmte dagegen.

Das Sommerangebot soll attraktiviert werden, eine Frequenzsteigerung wird angestrebt.

© WenzelDas Sommerangebot soll attraktiviert werden, eine Frequenzsteigerung wird angestrebt.



Von Helmut Wenzel

Landeck, Zams – Die größte Freizeiteinrichtung im Talkessel zuzusperren und abzupacken, würde zehn Mio. Euro kosten. Mit der 50 Jahre alten Venet-Seilbahn „weiterwursteln“ wie bisher, würde möglicherweise den Tod auf Raten bedeuten. Dann bleibt noch eine dritte Option: mutig investieren und vor allem das Sommerangebot am Hausberg der Landecker und Zammer attraktiver machen.

Der Landecker Gemeinderat hat am Donnerstagabend nach längerer Debatte ein Investitionspakt im Umfang von 2,46 Mio. Euro beschlossen. Allerdings nicht einstimmig. Sieben Mandatare der Opposition (SPÖ, FPÖ, Grüne) votierten dagegen.

„Wir würden das Projekt ja gerne unterstützen. Aber bitte nur mit den versprochenen Unterlagen“, sagte SP-Fraktionsobmann GR Manfred Jenewein. Man vermisse den Businessplan, ein früherer Fehlbetrag, 234.000 Euro, sei noch immer nicht aufgeklärt, und die Betriebskosten der neuen Infrastruktureinrichtungen seien unbekannt.

„Ist der neue Vorstand Werner Millinger eigentlich schon im Firmenbuch eingetragen?“, wollte FP-Stadtrat Roland König wissen, der beim Thema Venet nie müde wurde, selbst kleine Details zu hinterfragen. „Nein, noch nicht“, musste Aufsichtsratsvorsitzender VBM Thomas Hittler einräumen, „aber das ist Formsache. Der Aufsichtsrat hat alles genehmigt.“ Er habe Sorge, dass die Räder am Venet eines Tages still stehen, begründete GR Ahmet Demir (Grüne) seine Ablehnung.

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Das Sommerpaket, das der designierte Vorstand Millinger den versammelten Mandataren vorstellte, soll in Etappen bis 2023 umgesetzt werden. Größte Einzelinvestition ist das Projekt „Rollbob“, eine ganzjährige „geländeangepasste“ Rodelbahn auf zwei Schienen, die 80 Zentimeter über dem Boden gleitet. Zwei Steilkurven sollen eingebaut werden, die Schwerkraft des Nutzers soll laut Millinger auf 2,3 G steigen (mehr als das zweifache Körpergewicht). Mit dieser Bahn, die 1,4 Mio. Euro kosten soll, habe man ein Alleinstellungsmerkmal.

Für Radfans bzw. Mountainbiker und Nutzer von neuen Funsportgeräten wie Mountain Carts (Dreiradler) sollen neue Strecken präpariert werden. Lust auf kulinarische Schmankerln aus der Region will das Seilbahnunternehmen im Hofladen an der Berg- und Talstation machen. Eine Photovoltaikanlage mit Kosten von 150.000 Euro soll Strom für einen Eigenverbrauch produzieren. Schließlich möchten die Venet-Seilbahner auch Hobby-Astronomen bei einem Observatorium am Berg willkommen heißen.

„Es ist an der Zeit, dass wir mehr aus unserer Freizeiteinrichtung machen. Sonst stagnieren wir“, kommentierte BM Wolfgang Jörg.

Die Venet-Seilbahn befindet sich laut Vorstand technisch in gutem Zustand.
Die Venet-Seilbahn befindet sich laut Vorstand technisch in gutem Zustand.
- Wenzel



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