Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 30.06.2018


Bezirk Reutte

Bürgermeisterfrage in Vils weiter offen

Neuwahl ist für 2. September angesetzt. Ehrenbürger Nationalrat a. D. Otto Keller ist mit 91 Jahren verstorben.



Von Helmut Mittermayr

Vils – In gut einem Monat sollten die Vilser mehr wissen, wer das Städtchen künftig anführen wird. Bis zum 3. August muss der Vilser Gemeinderat nämlich bei der BH Reutte jene Personen namhaft gemacht haben, die die Nachfolge des verstorbenen Bürgermeisters Günter Keller antreten möchten. Am 2. September ist dann laut Bezirkshauptfrau Katharina Rumpf die Bürgermeisterwahl abzuhalten. Außer es wird bis zum 3. August niemand der Behörd­e genannt. Dann fällt der Wahlauftrag umgehend dem Gemeinderat zu, der sofort zur Tat schreiten könnte. Die Volkswahl wäre damit obsolet. Der künftige Vilser Bürgermeister muss zum Zeitpunkt seiner Wahl jedenfalls Mitglied des Gemeinderates sein, was die möglichen Anwärter auf die Mandatare der Einheitsliste beschränkt. Da nur ein Wahlvorschlag pro Liste zugelassen ist, in Vils also nur eine Person, ist mit der Festlegung der Liste auf ihren Kandidaten oder ihre Kandidatin der neue Bürgermeister de facto gekürt. Von außen kann laut Wahlordnung niemand dazustoßen. Dazu müsste der Gemeinderat schon die Selbstauflösung und damit komplette Gemeinderatsneuwahlen in Vils lostreten.

Noch hält die Sedisvakanz in Vils an, kein weißer Rauch ist aufgestiegen. Mit der Feinwaage werden Aussagen gewogen, Stimmungsbilder nuanciert, ja sogar Schweigen dechiffriert – niemand hat sich aus der Deckung gewagt. Vize-BM Manfred Immler führt mit jedem Gemeinderat Einzelgespräche, um Absichten auszuloten. Ob er sich selbst der Wahl stellen wird, will er erst bekannt geben, wenn er seine Sondierungen abgeschlossen hat. Als der von der politischen Stellung in der Stadt „logische“ Nachfolger ist aber auch er noch nicht „durch“, wie in der Zementstadt gemunkelt wird. Andererseits hat auch Immler öffentlich noch gar nicht erklärt, überhaupt Bürgermeister werden zu wollen.

GR Markus Petz, der heuer im Jänner die Volksbefragung gegen die Ansiedelung eines Logistikcenters in Vils initiiert hatte und dessen Ergebnis vom Gemeinderat dann vom Tisch gewischt worden war, hatte noch kurz vor dem Ableben BM Kellers seinen Mandatsverzicht erklärt. Nun müssen – mit Keller – zwei Sitze im Gemeinderat nachbesetzt werden. Wer nachfolgen wird, ist noch nicht gesichert, da jene, die laut Listenplatz nachrücken müssten, zögern und mit einem Verzicht spekulieren. Vize-BM Immler führt derzeit mit allen Gespräche.

Zu Grabe getragen wird schon wieder ein großer Vilser – Ehrenbürger Otto Keller wurde 91 Jahre alt. Der Landwirt war 30 Jahre, von 1959 bis 1989, Bürgermeister der Stadt Vils, von 1979 bis 1990 saß er für die ÖVP im Nationalrat. Er gehörte noch jener Generation an, die mit LH Wallnöfer den Neubau der Hauptschule Vils auf einem Bierdeckel besiegelte. Ein Typ und Macher, dem das enge Korsett gesetzlicher Vorgaben keineswegs den Schlaf raubte. Vize-BM Immler in einer ersten Würdigung: „Unglaublich, was ein einzelner Mensch für ein Kommune alles leisten kann!“