Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 03.07.2018


Exklusiv

Inzinger im Clinch mit Gemeinde

Ein Inzinger Bürger hat wegen eines Feldstadels Anzeige bei der Bezirkshauptmannschaft erstattet und greift den Amtsleiter an. Dieser weist die Vorwürfe zurück und droht mit einer Klage.

© DomanigBlick auf die Inzinger Pfarrkirche.



Inzing – „Bei uns im Dorf wird nicht mit gleichem Maß gemessen“, meint Paul Gebhart aus Inzing. Er spreche für „eine Reihe von weiteren interessierten Gemeindebürgern“, denen „einiges unter den Nägeln brennt“. Die Liste seiner Vorwürfe reicht von „Ungleichbehandlungen“ im Alltag, etwa beim Zurückschneiden vermeintlich verkehrsbehindernder Hecken, bis zu einer Angelegenheit, die ihn besonders aufbringt – und die bis in den vorigen Sommer zurückreicht:

Damals habe ein Grundbesitzer im Westen von Inzing einen Feldstadel umgebaut. „Darin dürfen nur landwirtschaftliche Gerätschaften eingestellt werden“, betont Gebhart, entsprechend sei auch angesucht worden. Doch in der Folge habe der Inzinger Gemeindeamtsleiter, der mit dem Grundbesitzer in einem persönlichen Naheverhältnis stehe, im Feldstadel – der zuvor gegen Einblicke von außen geschützt worden sei – sein Wohnmobil abgestellt. Das Objekt sei also nicht gemäß dem zulässigen Verwendungszweck genutzt, sondern widerrechtlich zur Garage umfunktioniert worden. Gebhart erstattete im heurigen Mai Anzeige bei der Bezirkshauptmannschaft als Aufsichtsbehörde.

Amtsleiter Josef Draxl weist die Vorwürfe scharf zurück: Beim Umbau, den der Grundbesitzer beantragt habe, sei „alles rechtens und genehmigt“ sowie von Bausachverständigen der BH geprüft. Dass er sein Wohnmobil im Stadel abgestellt habe, bestreitet Draxl: „Ich habe es überhaupt nicht in Inzing stehen.“

Laut Gerlinde Mader vom Referat für Baurecht in der BH Innsbruck laufe die Prüfung noch. Der ortspolizeiliche Augenschein, der zeigen soll, ob der Stadel entsprechend dem Verwendungszweck genutzt wird, habe noch nicht stattgefunden. Grundsätzlich sei jedenfalls klar: Ein Stadel diene nur für die Unterbringung von landwirtschaftlichen Geräten, verkehrstaugliche Fahrzeuge dürften darin nicht abgestellt werden. Im Freiland dürften generell nur Gebäude errichtet werden, die landwirtschaftlichen Zwecken dienen. „Wir wollen nicht befördern, dass man mit Garagen ins Freiland ausweicht“, so Mader.

Für Amtsleiter Draxl geht es in der Sache aber ohnedies um etwas ganz anderes – nämlich um noch weitreichendere Vorwürfe von Gebhart, die man sich einfach nicht gefallen lassen könne: So habe Gebhart in der Anzeige an die BH de facto unterstellt, dass es sich beim Stadel um einen Schwarzbau handle, und ihm als Amtsleiter gemeindeschädigende Geschäfte, also im Grunde Amtsmissbrauch, vorgeworfen. „Irgendwann ist es genug“, sagt Draxl. Man habe nunmehr einen Anwalt eingeschaltet und werde Gebhart schriftlich auffordern, diese Behauptung zurückzuziehen, sonst drohe Klage.

Generell habe sich Gebhart „mit dem halben Dorf“ angelegt, ergänzt Draxl. So habe er wiederholt Gemeindebedienstete, aber auch Privatpersonen persönlich oder per SMS beleidigt, decke sie mit Anzeigen, Beschuldigungen und Verdächtigungen ein. „Das kann es doch nicht sein.“

So sieht das auch BM Sepp Walch: „Wir sind dabei, von Seiten der Gemeinde rechtliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen und weitere Schritte zu prüfen.“ (md)