Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 06.07.2018


Bezirk Schwaz

Grundtausch wird zum Lotteriespiel

Die straßenrechtliche Verhandlung für die neue Trasse der Zillertalstraße in Fügen steht bevor. Für die Grundbesitzer ist das Großprojekt mit Unsicherheiten verbunden. Sicher ist: Es gibt genug Tauschflächen.

© DählingZahlreiche Grundeigentümer folgten der Einladung des Landes zur Informationsveranstaltung rund um das Straßenbauprojekt.Foto: Dähling



Von Angela Dähling

Fügen – Wo wird sich künftig mein Feld befinden bzw. wie wird sich seine jetzige Flächenform verändern? Das sind Fragen, die sich die Grundeigentümer entlang der B169 in Fügen stellen. Und mit denen sie bei der Informationsveranstaltung des Landes am vergangenen Mittwoch im FeuerWerk auch Gabriel Staggl (Abt. Verkehr und Straße), Alois Walser (Abt. Bodenordnung/Agrar) und Christoph Klingler (Abt. Verkehrsrecht) konfrontierten. Beantworten konnten diese sie nicht. Und das hat vielfältige Gründe.

Das bekannte Straßenprojekt zur Verkehrsentlastung der Zillertalstraße in Fügen ist inzwischen – leicht adaptiert – zur Bewilligung eingereicht. In sieben Wochen findet die straßenrechtliche Verhandlung statt – im Großverfahren, weil rund 130 Grundbesitzer betroffen sind. Bis dahin sollen die Bauern sich entscheiden, ob sie den benötigten Grund ans Land verkaufen oder aber Ersatzflächen wollen. „Wenn die Mehrheit Tauschgründe will, kommt es vor der Erteilung der straßenbaulichen Bewilligung zum Agrarverfahren“, informierte Walser. Im Zuge dessen käme es zu einer komplett neuen Grundaufteilung bzw. Flächenverschiebung, damit Bauern, die Tauschgründe wollen, künftig dasselbe Grundausmaß wie bisher und im besten Fall als zusammenhängende Fläche erhalten können.

Zum Agrarverfahren dürfte es kommen, da 6,04 ha Ersatzflächen gewünscht seien und Besitzer von 1,68 ha einer Ablöse zustimmen würden. „Wir sind in der einzigartigen Lage, mit 7,74 ha mehr Ersatzflächen anbieten zu können, als benötigt werden“, betonte BM Dominik Mainusch. Die Flächen befinden sich in Gagering. Auch jene, die einer Teilablöse zustimmen, fallen mit ihrem restlichen Grund zwischen Straße und Ziller in das Agrarverfahren. Die Neueinteilung der Flächen erfolgt jedoch erst, wenn die Straße schon gebaut ist. Das liege laut Walser daran, dass vorübergehend beanspruchter Grund nach Straßenfertigstellung neu bewertet werden müsse. Zudem kann das Agrarverfahren laut BM Mainusch drei Jahre dauern. Und so lange könne man nicht mehr auf den Baustart für die neue Straße warten. Baubeginn nach nun folgender einjähriger Detailplanung ist im Bereich Fügen Nord während der Niedrigwasserperiode 2020 geplant. Von „verloren gegangenem Vertrauen“, „großer Verunsicherung“ und einem „massiven Eingriff“ auch durch Bau- bzw. Ersatzstraßen mit vorübergehendem Bestand war unter den Grundeigentümern die Rede.

„Die Straße wird gebaut, das ist nicht zu verhindern“, betonte BM Mainusch, der von garantierten Tauschgründen sprach. „Es ist natürlich nicht bärig, die Katze im Sack zu kaufen. Aber die Agrarbehörde wird schon schauen, dass es für alle bestmöglich passt.“ Auch auf die Gemeinde kommen große Ausgaben zu: Sie ist u. a. für die Gehsteig­errichtung, Radewege, Wirtschaftswege finanziell zuständig. Auch hier machten sich Bedenken bei einigen breit, inwieweit die Gemeinde aus Kostengründen Prioritäten setzen wird.




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