Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 27.07.2018


Exklusiv

Bordellbetreiber in Vils wurden überrascht

Der Schachzug der Stadt Vils mit dem Erwerb des Hotels Grüner Baum kam für Cornelia Füssinger und ihren Lebensgefährten aus heiterem Himmel. Sie wollten gerade den Mietkaufvertrag unterschreiben.

© Mittermayr HelmutDer Grüne Baum in Vils steht seit Jahren leer. Nun hat die Stadt selbst das zentral gelegene Hotel erworben. Foto: Mittermayr



Von Helmut Mittermayr

Vils, Reutte – Viel Zeit zum Abwägen dürfte den Vilser Mandataren nicht geblieben sein. Sie wollten einem Mitbewerber zuvorkommen und damit die Ansiedelung von „leichten Damen“ direkt am Stadtplatz verhindern – und erwarben, wie berichtet, mit einem 10/1-Gemeinderatsbeschluss das leerstehende Hotel Grüner Baum um 800.000 Euro. Die Zeit drängte, denn die künftigen Betreiber des Bordells am Urisee in Reutte waren mit dem Hoteleigentümer, der Raiffeisenbank Telfs-Mieming, nahezu handelseins geworden.

Der Lebensgefährte von Cornelia Füssinger, die das Bordell am Urisee führen wird, erklärt gegenüber der Tiroler Tageszeitung, dass das Vilser Objekt auf Mietkaufbasis hätte erworben werden sollen und sie gerade dabei waren, die geforderte Kaution aufzubringen, als sie vom Deal der Stadt Vils mit der Bank in Kenntnis gesetzt wurden. Eine juristische Prüfung ihrerseits sei möglich.

Die Intention der beiden Deutschen lag jedenfalls nicht darin, den Grünen Baum als Freudenhaus zu nutzen, sondern hauptsächlich als Schlafstätte. Denn nach österreichischem Recht dürfen Prostituierte nicht in jenem Gebäude übernachten, in dem sie ihrem Geschäft nachgehen. Damit fällt das Hotel Urisee, das genügend Platz für beides bieten würde, aus. Dort kann nur das Puff betrieben werden. Cornelia Füssinger und ihr Freund sind daher dauernd auf der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten für ihre rund 20 bis 30 erwarteten Sexarbeiterinnen – und glaubten in Vils fündig geworden zu sein.

Dem Deutschen war es mehr als ernst mit dem Grenzstädtchen, hatte er doch schon seine Tochter in Vils zur Schule angemeldet. Füssinger und ihr Freund hatten eine Mehrfachnutzung für den Grünen Baum ins Auge gefasst: einerseits selbst dort zu wohnen und die dauernd wechselnden Prostituierten unterzubringen, andererseits im Parterre eine Pizzeria und Eisdiele zu betreiben.

Mit der Verwertung des Gebäudes kann sich nun die Stadt Vils beschäftigen, genaue Pläne gibt es laut Vizebürgermeister Manfred Immler aber noch keine. „Diesbezüglich wünsche ich der Gemeinde Vils viel Spaß. Die kann sich nun damit herumschlagen. Das Hotel steht ja schon acht Jahre lang leer und die Stadt nimmt ein Viertel ihres Jahresbudgets in die Hand, nur um uns zu verhindern.“ Der Deutsche, der auch im Immobilienbereich tätig ist, rechnet Vils vor, dass bei Nichtverwertbarkeit im Falle eines Abrisses und Neubaus bis zu vier, fünf Millionen Euro aufgebracht werden müssten. Dass er den Vilser Gemeinderäten, wie darum gebeten, „Konzept und Vorzüge“ der Ansiedelung nicht persönlich erklären durfte, wurmt ihn. Seinen Humor hat er trotzdem nicht verloren. „Ja, wenn da immer gleich Gemeinden alles zusammenkaufen, nur weil wir an eigentlich unveräußerlichen Liegenschaften Interesse zeigen, dann wäre das ein Geschäftsmodell. Die Besitzer wären froh, man könnte den Gewinn teilen“, lacht er.

In Reutte gehen derweil die Arbeiten und Behördenverfahren beim Bordell Urisee weiter. Die gewerberechtlichen Verfahren mit der Bezirkshauptmannschaft scheinen über die Bühne zu sein, baurechtlich sind noch nicht alle Fragen geklärt. Füssinger getraut sich keinen Termin zu nennen, wann sie aufsperren könnte. „Ich bitte um Verständnis, aber ich richte Behörden, mit denen ich die Zusammenarbeit benötige, während laufender Verfahren sicher nichts über die Zeitung aus.“ Die „Puffmutti“, wie sie sich selbst bezeichnet, ist aber guten Mutes, in absehbarer Zeit einen Tag der offenen Tür und damit die Eröffnung bekannt geben zu können.

Eine Zufahrt vom Parkplatz an der Umfahrung Reutte zum Bordell wird es nicht geben. „Das hat das Straßenbauamt abgelehnt. Aber selbstverständlich kann unser Haus dann wie bisher schon das Hotel über die Straße am Urisee angefahren werden. Anderslautende Gerüchte stimmen nicht“, sagt Füssinger.




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