Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 28.07.2018


Bezirk Imst

Söldens Bürgermeister Schöpf legt Umfahrung vorerst auf Eis

Söldens Dorfchef erkennt keine konstruktive Zusammenarbeit im Dorfparlament. Die Opposition sieht den Bürgermeister in der Pflicht.

© PloderNach dem geologischen Aus für die Westvariante der Umfahrung Sölden kam wieder das Projekt am Ostrand ins Spiel (Bild). Dieses sollte auch den Neubau der Freitzeit-Arena Sölden einschließen.Fotos: Ploder



Von Alexander Paschinger

Sölden – „Große Geschichten sind mit solchen Akteuren im Gemeinderat nicht durchzubringen“, sagt der Sölder Bürgermeister Ernst Schöpf. Es herrsche nicht nur wenig Rückenwind, sondern vor allem Gegenwind, den er seitens des Vizebürgermeisters und des Verkehrsausschuss­obmanns (gemeint sind VBM Reinhard Scheiber und GV Stefan Brugger) spüre. Deshalb sei „die Umfahrung vorerst auf Eis gelegt – weil mit solchen Leuten im Gemeinderat, denen es gefällt, wenn nichts gelingt, hat das keinen Sinn“, so Schöpf. Auch seinen Postwurf (die TT berichtete) schloss er mit: „Es ist eine verlorene Gemeinderatsperiode, es werden noch mühsame dreieinhalb Jahre.“ Im TT-Gespräch sieht er nicht nur die Umfahrung derzeit gestoppt, sondern ortet auch einen Stillstand beim geplanten Neubau der Freizeit-Arena – „bei allen großen Dingen“.

Begonnen habe das nach der letzten Wahl 2016. Vieles werde in Ausschüssen he­rumdiskutiert und geschoben: „Ich kann keine klaren Auskünfte mehr geben.“ Gestorben sieht er die großen Projekte nicht, aber mit diesen Akteuren in dieser Periode sei so etwas „sehr schwierig“.

„Schwierig“, so Schöpf, waren auch Verhandlungen mit zwei Grundeigentümern in Sachen Umfahrung, „aber so etwas ist normal. Da muss man öfters zugehen.“

Genau das kritisieren hingegen Brugger und Scheiber. Sie sind überzeugt, dass der Bürgermeister „seine Hausaufgaben nicht erledigt hat und es sich zu leicht macht, wenn er sich jetzt an uns abputzt“, so der Vizebürgermeister. Es gebe „ein klares Bekenntnis, wenn die Finanzierung passt und die Grundeigentümer zustimmen“.

Brugger wirft dem Bürgermeister vor, mit „drei Grundeigentümern nicht auf Augenhöhe verhandelt zu haben“. Die Ausschüsse „arbeiten sauber und legen dem Gemeinderat Ergebnisse zur Entscheidung vor“. Den zweiseitigen Postwurf von Schöpf werde er jedenfalls in der kommenden Woche entgegnen – derzeit lasse er sein Schreiben juristisch prüfen. Er legt Schöpf nahe: „Wenn er den Willen nicht mehr hat, dann soll er es lassen.“

In Schöpfs Schreiben ging es in erster Linie um die Ehrenerklärung eines Ötztaler Unternehmers, der den Vorwurf der Veruntreuung in den Raum gestellt hatte. Nun zog dieser die Äußerungen „mit dem Ausdruck tiefsten Bedauerns“ zurück (die TT berichtete). Schöpf berichtet in seinem Postwurf allerdings generell von der schwierigen politischen Arbeit, sprach von „Befangenheitsmomenten“ sowie „Günstlings- und Vetternpolitik“.


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