Letztes Update am Mo, 03.09.2018 15:34

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Bierhoffs Immo-Deal regt auf: „Golden Goal der besonderen Art“

Deutschlands Fußball-Teammanager Oliver Bierhoff hat in Hochfilzen einen Freizeitwohnsitz und rund 15.000 m² Freiland erworben. Der Immobilienkauf erzürnt nun die Tiroler Opposition.

© AFPOliver Bierhoff sicherte sich ein großes Anwesen in Hochfilzen.



Innsbruck, Hochfilzen - Der Immobiliendeal von DFB-Manager Oliver Bierhof im Bezirk Kitzbühel sorgt für Aufregung bei der Tiroler Opposition. So konnte der ehemalige deutsche Fußballnationalspieler und heutige Manager des Nationalteams - wie von der TT berichtet - mit seiner Gattin vor zwei Jahren in Hochfilzen nicht nur einen Freizeitwohnsitz, einen just in dieser Zeit aufgelassenen geschlossenen Hof, sondern auch rund 15.000 Quadratmeter Freiland kaufen; darunter Umgebungsflächen, landwirtschaftliche Felder und ein Wald. Der Kauf erfolgte in zwei Etappen und mit Zustimmung der Behörden sowie Wohlwollen der Bezirkslandwirtschaftskammer Kitzbühel. 2,15 Millionen Euro legte Bierhoff dafür auf den Tisch. Beim Wald billigte die BH Kitzbühel dem vorwiegend in Deutschland lebenden Ehepaar schlussendlich zu, dass eine nachhaltige Bewirtschaftung „ohne Weiteres erwartet werden“ darf.

Doch damit nicht genug: Den alten Freizeitwohnsitz ersetzt Bierhoff durch einen Neubau. Wichtig war dem Fußball-Europameister vor allem die freie Aussicht auf die Tiroler Bergwelt. Offenbar wollte er deshalb sogar weitere Flächen erwerben, doch hier kam ein angrenzender Bauer zum Zug. Nur dieser räumte Bierhoff samt Vorkausfrecht eine besondere Dienstbarkeit ein: Zum Zwecke der freien Aussicht darf der Landwirt auf seiner Mähwiese keine sichtbehindernden „Objekte“ errichten.

SPÖ sieht Totalversagen der Behörden

Tiroler SPÖ sowie der Liste Fritz reagierten am Montag mit heftiger Kritik. Ziel und Stoßrichtung des Tiroler Grundverkehrsgesetzes, wie auch des Landeskulturfonds, sei es, land- und forstwirtschaftliche Betriebe zu erhalten und zu stärken, meint Tirols SPÖ-Chefin Elisabeth Blanik. „Aber nur so lange, bis ein ÖVP-genehmer Promi mit dicker Brieftasche andere Interessen verfolgt. Dann schmeißt man im Land jeden hehren Ansatz über Bord und biegt sich Gesetze zurecht, dass es birst und kracht“, kritisiert Blanik.

„Möglich wurde Bierhoffs ‚Golden Goal‘ durch ein Totalversagen der Behörden. Die Abteilung Grundverkehr, der Landeskulturfonds und die Agrarbehörde haben hier in astreinem Zusammenspiel eine Traumvorlage geliefert. Das System ÖVP hat einen weiteren Skandal zu verbuchen“, so Blanik in einer Aussendung.

Liste Fritz: „Kein Bauernland in Bauernhand“

Die Liste Fritz spricht in diesem Zusammenhang von einer „totalen Verlogenheit der ÖVP-Grund und Boden-Politik“. Bierhoffs Bauernhof-Deal zeige, „wie es jene machen, die über genügend Geld verfügen, um in Tirol geltende Gesetze zu umgehen und so zu einem Bauernhof zu kommen, auch wenn sie selber keine Bauern sind“, meint Landtagsabgeordneter Markus Sint. „Die Liste Fritz setzt sich für ein uneingeschränktes Vorkaufsrecht der Gemeinden auf Freiland ein, um genau diesen Ausverkauf des Landes zu verhindern, um Grund und Boden im Besitz der öffentlichen Hand zu behalten und um damit Grund für bezahlbares Wohnen für die Einheimischen bereitzustellen“, erklärte der Landtagsabgeordnete. (TT.com)