Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 05.09.2018


Bezirk Schwaz

Baulandwidmung wurde zur Büchse der Pandora

Aus Freiland in Fügenberg wurde 2009 Bauland für ein Hotelprojekt. Gebaut wurde nie. Als Rückwidmung drohte, erfolgte der Verkauf.

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© Dähling



Von Angela Dähling

Fügenberg – Die zukünftige Entwicklung eines knapp 16.000 m² großen Grundstücks am Fasserweg in Fügenberg beschäftigt die Gemeinde seit Jahren. Und auch die Anrainer, von denen sich so manche fragen, ob auf der Wiese doch ein Hotel gebaut wird. Theoretisch wäre das aufgrund der touristischen Sonderflächenwidmung möglich.

Einst war das Areal Freiland und soll dem Unternehmer und Landwirt Johannes Ausserladscheiter aus Buch gehört haben, zu dessen Fachgebiet als allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger landwirtschaftliche Liegenschaften zählen. „Bei meinem Amtsvorgänger suchte er um Widmung für ein touristisches Projekt an“, weiß der Fügenberger Bürgermeister Josef Fankhauser. Der damalige Gemeinderat beschloss daraufhin im Jahr 2009 die touristische Sonderflächenwidmung für 15 Blockhäuser mit 135 Betten.

Gebaut wurden sie nie, worüber der Gemeindechef inzwischen auch froh ist. „Wir wollen da keine Blockhäuser oder Chalets“, sagt er. Allerdings erwartete sich die Gemeinde schon, dass aufgrund der Widmung ein ausgereiftes Bauprojekt eingereicht wird. Doch das passierte nicht. Fankhauser spricht von „ein paar Ideen, mit denen Ausserladscheiter zu uns kam, darunter ein Wohnbauprojekt mit vier- bis fünfstöckigen Häusern“. Aber diese Dimensionen waren der Gemeinde zu groß. „Irgendwie waren die verschiedenen Pläne unkonkret und undurchsichtig“, erklärt der Gemeindechef. Letztlich habe er mit Rückwidmung gedroht. Ausserladscheiter habe das Bauland daraufhin an den Unternehmer Reinhard Binder (Binderholz) verkauft.

„Dazu kann ich nichts sagen, aber das alles stimmt nicht“, erklärte Johannes Ausserladscheiter, als die TT ihn um eine Stellungnahme bat. Was genau nicht stimme, wollte er nicht sagen. Dann meldete er sich nochmals, um festzuhalten: „Eigentümer des Grundstücks war und ist die ICA Verwaltungs GmbH.“ Weitere Antworten blieb er neuerlich schuldig. Ausserladscheiter war bis Mai ICA-Geschäftsführer. „Ich habe die ICA gekauft, die möglicherweise für die Entwicklung dieses Grundstücks gegründet wurde. Denn mehr als diese Liegenschaft in Fügenberg samt einiger damit verbundener Rechte beinhaltet sie nicht“, bringt Reinhard Binder Licht ins Dunkel. Seit Juni sei er rechtmäßiger Eigentümer. Man sei jetzt in einer ersten Planungsphase, wolle aber nichts übers Knie brechen. Pläne für ein Kurinstitut seien aufgrund der Personalintensität bereits wieder auf Eis gelegt worden. Kommt ein Hotel? „Wir haben eines in Zell, das ist ausbaufähig. Und ich will nichts bauen, was für die Anrainer nicht passt“, sagt Binder, der für 08/15-Architektur, die nicht ins Tiroler Landschaftsbild passe, nichts übrig hat. Noch sei alles offen. „Uns wäre klein dimensionierter Wohnbau recht, wenn Fügenberger zumindest ein Drittel davon günstig mieten oder kaufen könnten“, gibt BM Fankhauser dem neuen Eigentümer mit auf den Weg. Der Dorfchef ist optimistisch, dass nun was weitergehe. Sonst werde rückgewidmet.

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