Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.09.2018


Osttirol

Wildbach- und Lawinenverbauung: 6,6 Millionen für die Sicherheit

Bis 2027 entstehen in Hopfgarten Schutzbauten für Kirche, Feuerwehr und Straße.

© OblasserSpatenstich in Hopfgarten mit Johannes Nemmert (Baubezirksamt), Bürgermeister Franz Hopfgartner, LHStv. Josef Geisler sowie Doris Idl und Otto Unterweger (Wildbach- und Lawinenverbauung, v. l.).



Von Catharina Oblasser

Hopfgarten – Es ist das größte Projekt der Wildbach- und Lawinenverbauung, das es in den letzten Jahren in Osttirol gegeben hat: die Schutzbauten im Hopfgartnergraben, direkt über dem Ortskern der Deferegger Gemeinde. 6,6 Millionen Euro werden bis zum Jahr 2027 dort verbaut. Ein Stück oberhalb des Ortes entsteht eine Geschiebesperre. Rund 200 Meter weiter oben wird ein Mur- und Lawinenbrecher errichtet.

Im Einzugsbereich von Hopfgartnergraben-Bach und -lawine liegen Kirche, Feuerwehrhaus und 20 Häuser. Sie werden sicherer gemacht.
- Land Tirol

Landesrat Josef Geisler, Bürgermeister Franz Hopfgartner, Otto Unterweger von der Wildbach- und Lawinenverbauung sowie Bauarbeiter und Grundbesitzer waren am Donnerstagnachmittag beim feierlichen Spatenstich dabei. Bereits im Laufen ist die Sicherung für die Baustelle im Oberlauf des Baches. „Wir brauchen dort oben zuerst ein 100 Meter langes Steinschlagnetz und einen Damm, damit es auf der Baustelle zu keinen Steinschlägen kommen kann“, erklärt Otto Unterweger. Nur im Frühjahr und Herbst kann gearbeitet werden, deshalb die lange Bauzeit von zehn Jahren.

„Die Häufigkeit von Muren nimmt zu“, meint Bürgermeister Franz Hopfgartner. Man müsse gar nicht bis ins Jahr 1965 zurückgehen, als das gesamte Defereggental völlig verwüstet wurde. „Wir hatten auch in den letzten Jahren immer wieder kleinere und größere Geschiebeabgänge“, erzählt der Bürgermeister.

Es existiert zwar bereits eine Verbauung im Hopfgartnergraben, doch die ist nicht mehr zeitgemäß, schildert Otto Unterweger. „Das haben Simulationen gezeigt.“ Mangelnder Schutz könne nicht nur Menschen gefährden und an der Dorfkirche, am Feuerwehrhaus und an 20 Wohnhäusern große Schäden anrichten, meint der Osttiroler Leiter der Wildbach- und Lawinenverbauung. „Im Fall des Falles wäre auch die Deferegger Landesstraße betroffen. „Die Straße würde sofort verklausen, weil eine Mure oder Lawinen die Schwarzach aufstauen würden. Das Material würde dann weiter durch die Erlachgalerie talauswärts gedrückt. Nicht auszudenken, wenn dort gerade Autos unterwegs wären“, schildert der Wildbachexperte.

LHStv. Josef Geisler ist als Landesrat für Katastrophenschutz zuständig. Das Land Tirol unterstütze Schutzbauten gerne, obwohl die Kosten hoch seien, so Geisler. „Denn auch im ländlichen Raum haben die Menschen ein Recht darauf, in Sicherheit zu leben.“ Die Baukosten von 6,6 Millionen übernehmen zum größten Teil der Bund (60 Prozent), das Land (22 Prozent) und die Gemeinde Hopfgarten (10,4 Prozent). Im gesamten Defereggental fließen in nächster Zeit insgesamt 16 Millionen Euro in Schutzverbauungen.




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