Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 15.09.2018


Bezirk Kufstein

Drehung um 180 Grad: Holzlager in Langkampfen bleibt

© MaderBürgermeister Andreas Ehrenstrasser.



Von Jasmine Hrdina

Langkampfen – So schnell ändern sich Meinungen: Vor drei Wochen noch hieß es aus dem Langkampfner Gemeinderat, es gäbe keinen ungeeigneteren Standort für die geplante Altholzaufbereitungsanlage als jenen im Ortsteil Niederbreitenbach. Nun scheint die Lösung für das 5000-Quadratmeter-Areal inmitten des „Naherholungsgebiets“ – wie von Projektgegnern kritisiert wurde – doch nicht so unpassend. Und das, obwohl gleich fünf alternative Standorte im Gespräch wären. Auch die vier Grundeigentümer hätten laut Bürgermeister Andreas Ehrenstrasser prinzipiell zugestimmt – der Gemeinderat beschloss im nicht öffentlichen Teil der jüngsten Sitzung aber dennoch, diese Alternativpläne nicht weiter zu verfolgen.

Auf der Suche nach dem Grund für diese 180-Grad-Wendung müsse man einen Blick in die Zukunft werfen, wie Ehrenstrasser gegenüber der TT erläutert: Alle fünf ins Auge gefassten Grundstücke befinden sich zwischen Autobahn und der geplanten neuen Bahntrasse im Südwesten von Langkampfen nahe dem Fischweiher. Der Weg dorthin führt über eine Gemeindestraße, die für die tonnenschweren Lkw ausgebaut und freigegeben werden müsste. Damit öffne man aber Tür und Tor für weitere Anlagen, die nach dem Abfallwirtschaftsgesetz und somit ohne Mitspracherecht der Gemeinde genehmigt werden könnten. „Ein enormer Flächenverbrauch ohne Nutzen für die Gemeinde“, argumentiert Ehrenstrasser. Für das wenig besiedelte Gebiet direkt an der Autobahn habe er andere Pläne mit Blick auf das Raumordnungskonzept 2025: „Es sind die einzigen realen Flächen, auf denen sich Langkampfen wirtschaftlich weiterentwickeln kann – das Interesse der Grundeigentümer vorausgesetzt.“ Die Rechnung ist einfach: Viele Betriebe bringen mehr Kommunalsteuer als Großanlagen mit wenig Personal.

„Man muss Emotion und sachliche Argumente unterscheiden“, plädiert der Ortschef. Projektgegner befürchteten eine zunehmende Lärm- und Verkehrsbelästigung durch Schwertransporte. Aus der Verkehrsstatistik des Landes Tirol gehe aber hervor, dass die betroffene L211 in Niederbreitenbach im Vergleich zu Gemeinden mit ähnlichen Industriegebieten von Schwerverkehr unterdurchschnittlich belastet ist (2,4 Prozent bei täglichen 2498 Fahrten, ein Drittel durch Anwohner). Auch die 4000 Fahrten pro Jahr zu und von der Aufbereitungsanlage würden diese Statistik weiterhin „gegen null divergieren lassen“, sagt Ehrenstrasser. Außerdem würde ein Großteil der Schredderarbeiten mit einem mobilen Gerät an anderen Standorten erfolgen.

Die Gemeindepolitik stellt damit die Suche nach einer Alternative ein – die behördliche Genehmigung für die Anlage dürfte bald vorliegen.