Letztes Update am So, 16.09.2018 09:58

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Weingartner und Bodenseer gegen Abschiebung von Lehrlingen

Mit Alt-LH Weingartner und Wirtschaftskammerpräsident Bodenseer setzen sich zwei prominente ÖVP-Urgesteine für Lehrlinge mit negativem Asylbescheid ein.

© istockDie Beschäftigung von jungen Asylwerbern wird als wichtig und positiv hervorgestrichen.



Innsbruck – Der Tiroler Altlandeshauptmann ist enttäuscht. „Es braucht natürlich eine geregelte Zuwanderung und eine Lehre kann das Asylverfahren sicher nicht ersetzen. Doch Arbeit und Beschäftigung sind zentrale Bestandteile der Integration“, sagt Wendelin Weingartner. Und er weiß, wovon er spricht. Seit Jahren betreut er Flüchtlinge, einer seiner Schützlinge ist jetzt von Abschiebung bedroht. „Obwohl er eine Lehre absolviert und das erste Berufsschuljahr positiv absolviert hat“, wie Weingartner erzählt.

Der junge Afghane lebt seit vier Jahren in Österreich, Weingartner und seine Frau betreuen ihn und haben ihm Deutsch beigebracht. „Beschäftigung ist wichtig, Nichtstun Gift. Denn dann ist die Gefahr groß, dass Asylwerber oft auf die schiefe Bahn geraten.“ Der Alt-Politiker kann deshalb der deutschen „3 plus 2“-Regelung vieles abgewinnen: Ein Flüchtling, der eine Ausbildung in Deutschland begonnen hat und die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt, kann die Ausbildung abschließen und eine zweijährige Anschlussbeschäftigung ausüben, wenn sein Asylantrag abgelehnt wird.

„Die betroffenen Unternehmer leisten mühevolle Integrationsarbeit und sind jetzt enttäuscht und verärgert“, sagt Jürgen Bodenseer
 (Kammerchef).
- Thomas Boehm / TT

Für Weingartner könnte das Hilfe zur Selbsthilfe sein, auch bei einer Rückkehr ins Heimatland. Das Vorgehen der türkis-blauen Regierung ohne Ausnahmen versteht er nicht. Und ernüchtert stellt Weingartner fest, dass ihre demokratische Legitimation leider in der Anti-Flüchtlingspolitik begründet ist.

Ähnlich argumentiert der scheidende Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Bodenseer. „Die Regierung scheint leider an einer humanitären Lösung nicht interessiert zu sein, die gut für alle ist.“ Arbeit ist für Bodenseer der sinnvollste und nachhaltigste Weg zur Integration. „Der Asylwerber kann Leistungswillen zeigen, lernt die deutsche Sprache schnell und direkt und kommt weg von Langeweil­e, Ghetto und schlechten Gedanken.“ Der Kammerpräsident spricht sich für eine Reform der Rot-Weiß-Rot-Card und ein humanitäres Bleiberecht aus.

Bodenseer berichtet auch von verärgerten Unternehmern, weil die Zusammenarbeit gut funktioniere. „Mir liegen viele positive Meldungen vor. Die betroffenen Unternehmer leisten hier mühevoll­e Integrationsarbeit und sind jetzt sehr enttäuscht und verärgert.“ (pn)