Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 21.09.2018


Tirol

TSD-Chef Bachmeier muss seinen Sessel räumen

Chef der Flüchtlingsgesellschaft Harald Bachmeier wird abgelöst. Verhandlungen über einvernehmliche Trennung.

TSD-Chef Harald Bachmeier muss vorzeitig gehen.

© RottensteinerTSD-Chef Harald Bachmeier muss vorzeitig gehen.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Die 2015 gegründete Flüchtlingsgesellschaft Tiroler Soziale Dienste (TSD) hat schwierige Jahre hinter sich. Und ihr steht eine einschneidende Umstrukturierung bevor. Weil die Zahl der Asylwerber massiv zurückgeht, verlieren rund 200 Mitarbeiter bis Ende 2019 ihren Arbeitsplatz. Doch die Neuaufstellung wird ohne den bisherigen Geschäftsführer Harald Bachmeier erfolgen. Wie gestern durchgesickert ist, muss der TSD-Chef vorzeitig seinen Sessel räumen. Bereits seit Wochen wird über seine Ablöse spekuliert, zuletzt rund um die schwarz-grüne Regierungsklausur Anfang September in Osttirol.

Dort dürfte die Entscheidung schlussendlich auch gefallen sein, wie es heißt. Schließlich war die Gesprächsbasis zwischen Bachmeier und seinen Mitarbeitern ebenfalls nicht mehr gegeben. In einer an die Landesregierung verfassten Resolution haben Betriebsrat und Mitarbeiter vor zwei Wochen außerdem auf die wiederholte Gesprächsverweigerung ihres Chefs hingewiesen. Dass er erneut in der für die Flüchtlingshelfer schwierigen Situation seinen Urlaub angetreten hat, sorgte überdies für heftigen Unmut.

Die Oppositionsparteien erhöhten zuletzt den Druck auf die Landesregierung. SPÖ, FPÖ und Liste Fritz forderten immer wieder den Rückzug von Harald Bachmeier. In Bedrängnis ist er nicht nur wegen organisatorischer und struktureller Mängel gekommen, wie ein Bericht des Landesrechnungshofes Ende des Vorjahres aufgezeigt hat, sondern auch wegen eines anhängigen Rechtsstreits.

Die TSD sehen sich nämlich seit dem Vorjahr mit einer Klage über 3,2 Mio. Euro konfrontiert, weil ein ursprünglich mit einer Bau-und Immobilienfirma vereinbarter Mietvertrag für eine zu errichtende Wohncontaineranlage nicht zustande gekommen ist. Im Hintergrund gibt es derzeit Vergleichsgespräche, die Verträge sind nämlich unklar.

Bachmeier wurde erstmals im Frühjahr 2015 zum Geschäftsführer der von der schwarz-grünen Landesregierung gegründeten Flüchtlingsgesellschaft Tiroler Soziale Dienste bestellt. Bereits im Vorjahr taten sich erste Risse auf, schließlich waren schon damals Rückgänge bei den Asylwerberzahlen zu verzeichnen. Ende Mai kündigte Bachmeier in einem Schreiben einen Millionenverlust und Job-Kürzungen an. Damit sorgte er für massive Verunsicherung der Mitarbeiter, zudem vertschüsste er sich danach in den Urlaub. Trotz Bedenken hat Ex-Sozialreferentin Christine Baur (Grüne) Bachmeier im Alleingang für drei weitere Jahre verlängert, nach den heurigen Kalamitäten zieht jetzt Baurs Nachfolgerin, LR Gabriele Fischer (Grüne), die Reißleine.

Derzeit wird über eine einvernehmliche Trennung verhandelt, schließlich hat der TSD-Geschäftsführer noch einen aufrechten Vertrag für zweieinhalb Jahre. Darüber und wie hoch die Abfindung des Landes sein wird, geht es jetzt in den Gesprächen. Bis zur Informationsveranstaltung des Landes für die Flüchtlingshelfer am 28. September soll eine Lösung erzielt werden.