Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 04.10.2018


Landespolitik

Tempo 80: Lärmbelastung nicht nur am Zirler Berg

Bei der Podiumsdiskussion zum Verkehrslärm machten Zirler Anrainer deutlich, dass sich die Lärmprobleme quer durch das Ortsgebiet ziehen.

Zuerst witterungsbedingt auf den 14. Mai verschoben, werden nun, abhängig vom Wetter, die  Asphaltierungsarbeiten an einem Tag im Zeitraum 17. bis 19. Juni oder 24. bis 25. Juni durchgeführt.

© Transitforum Austria-TirolZuerst witterungsbedingt auf den 14. Mai verschoben, werden nun, abhängig vom Wetter, die Asphaltierungsarbeiten an einem Tag im Zeitraum 17. bis 19. Juni oder 24. bis 25. Juni durchgeführt.



Zirl – Intensive, aber sachlich geführte Debatten brachte die Podiumsdiskussion zum Thema Verkehrslärm in Zirl am Dienstagabend. LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) präzisierte die geplanten Maßnahmen im Bereich der Nordumfahrung (B177): Tempo 80 wird am Zirler Berg noch heuer verordnet, konkret zwischen km 0,8 (unterhalb des Weinhofs) und km 2,4. Leiserer Asphalt soll nach Ende der Testphase mit der optischen Fahrbahnverengung aufgebracht werden – wobei die Verengung dann je nach Ergebnis fix bleiben könnte. Felipe wiederholte zudem, dass für eine Ertüchtigung der Lärmschutzwände eine Kofinanzierung der Gemeinde Zirl nötig sei.

BM Thomas Öfner (Für Zirl) zeigte sich froh über den 80er als ersten Schritt: „Reden und hartnäckig bleiben bringt als­o doch etwas.“ Was ihn aber verwundert: „Wie kann es sein, dass es vor eineinhalb Jahren hieß, weniger als 100 km/h geht nicht?“

Lärmexperte Christoph Lechner, beim Land Tirol zuständig für Lärmmessungen und -kartierungen, zeigte anhand des von der EU herangezogenen L-DEN-Werts (Tag-Abend-Nacht-Lärmindex über 24 Stunden) auf, „wie groß und vielschichtig das Problem in Tirol ist“: An der Zirler Nordumfahrung lägen nach diesem Pegel ca. 20 Gebäude über 60 Dezibel, allein an der Ost-West-Achse durch den Ort seien es rund 200, tirolweit ca. 20.000.

„Wir brauchen beim Lärm eine Gesamtbetrachtung“, urgierte der Sozialmediziner und Lärmforscher Peter Lercher: In Zirl gebe es als groß­e Lärmquellen nicht nur die Nordumfahrung, sondern auch die Bundesstraße durch den Ort sowie die Bahn und Autobahn im Süden, hinzu komme die Hanglage.

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Seine Einschätzung deckte sich mit den Wortmeldungen zahlreicher Anrainer: Auch in Ost-West-Richtung (B171), entlang der Nord-Süd-Achse (Bsp. Bahnhofstraße) oder in Eigenhofen (A12) sei die Lärmbelastung massiv. Mehrere Bewohner klagten speziell über Lärm durch Traktoren und Mopeds. Ein Anrainer aus Leithen (Reith bei Seefeld) forderte, auch das dortige Verkehrsproblem mitzudiskutieren: „Was in Zirl über die Nordumfahrung fährt, rast bei uns mitten durchs Dorf. Die Kinder können die Straße nicht queren, weil keiner anhält, und ich brauche morgens zehn Minuten, um aus der Ausfahrt zu kommen.“

Sozialmediziner Lercher legte Öfner dringend nahe, im Rahmen des Zirler Mobilitätskonzeptes – das derzeit mit Experten- und Bürgerbeteiligung erarbeitet wird – auch einen „Lärmaktionsplan“ zu erstellen und diesen ans Land zu übermitteln.

Felipe betonte, dass sie generell für niedrigere Schwellenwerte beim Lärm und Temporeduktionen eintrete, „aber ich kann die Bestimmungen allein nicht ändern“. Umso wichtiger sei, dass die Bevölkerung immer sensibler auf das Lärmthema reagiere.

Vize-BM Zangerl-Walser (Zukunft Zirl/VP) erneuerte im Namen der „IG Zirl“ und des Transitforums Forderungen nach „unverzüglicher“ Sanierung des Lärmschutzes an der A12 sowie des Asphalts am Zirler Berg, ebenso nach Beendigung der Teststrecke: „Lärm macht keine Pause.“ Gebe es binnen acht Wochen keine schriftlichen Zusagen, sei eine Bürgerversammlung auf der B177 geplant. (md)

"Es wird Thema des Zirler Mobilitäts­konzeptes sein, das Lärmproblem gesamthaft zu betrachten", sagte der Zirler Bürgermeister Thomas Öfner,
"Es wird Thema des Zirler Mobilitäts­konzeptes sein, das Lärmproblem gesamthaft zu betrachten", sagte der Zirler Bürgermeister Thomas Öfner,
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