Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 09.10.2018


Tirol

Equal Pay Day: Frauen arbeiten ab heute gratis

Mit dem heutigen Tag haben Männer bereits das Einkommen erreicht, wofür Frauen noch bis Jahresende arbeiten müssen. Der Equal Pay Day ist Symbol für die Lohnschere.

Frauen arbeiten zu lange in Teilzeit und öfter als Männer in schlechter zahlenden Branchen.

© BegsteigerFrauen arbeiten zu lange in Teilzeit und öfter als Männer in schlechter zahlenden Branchen.



Von Anita Heubacher

Innsbruck – Der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen in Tirol beträgt 23 Prozent. Grundlage sind die Jahresbruttoeinkommen der Vollzeitbeschäftigten, Teilzeit wurde herausgerechnet. Damit wäre laut Statistik Austria der Equal Pay Day heute. Ab dem Tag arbeiten Frauen in Tirol gratis. Denn Männer haben bereits das Einkommen erreicht, wofür Frauen noch bis Jahresende arbeiten müssen. Österreichweit ist der Equal Pay Day am 20. Oktober.

Nimmt man die Bruttostundenlöhne als Grundlage, wäre der Stichtag noch später. Laut Landesstatistik beträgt die Lohnschere 18,3 Prozent und ist in den letzten zehn Jahren gesunken. Wie berichtet, haben die Landesstatistiker Ursachenforschung betrieben und herausgefunden, dass sich die Hälfte des Gender Pay Gap nicht erklären lässt. Frauenorganisationen sehen hier Diskriminierung nachgewiesen. Die Studienautoren verweisen darauf, dass dies wissenschaftlich nicht belegbar sei.

Frauenlandesrätin Gab­i Fische­r von den Grünen sieht den Lohnunterschied nicht nur in der Berufswahl und der Diskriminierung begründet. Sie sieht ein Zusammenspiel vieler Faktoren wie beispielsweise die ungleiche Aufteilung von Erwerbsarbeit und unbezahlter Betreuungs- und Erziehungstätigkeit. „Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Gender Pay Gap in Tirol trotz Fortschritten in den letzten Jahren im europäischen Vergleich nach wie vor hoch ist“, meint Fischer.

SPÖ-Landesfrauenvorsitzende Selma Yildirim und ihre Stellvertreterin Elisabeth Fleischanderl sagen, es sei notwendig, überkommene Gesellschaftsbilder zu überwinden. „Der Mann als Versorger, die Frau als Zuverdienerin. Das entspricht längst nicht mehr der Lebensrealität vieler Frauen, sehr wohl spiegelt es sich vielfach am Lohnzettel wider.“ In klassischen Frauenberufen würde zu schlecht bezahlt. „Hier ist eine Neubewertung nötig.“ Familienarbeit gehöre partnerschaftlich aufgeteilt. Tirols ÖGB-Vorsitzende Philip Wohlgemuth verweist auf Islan­d, das gleichen Lohn für gleiche Arbeit gesetzlich verankert habe. „Dort müssen Unternehmen mit mehr als 25 Mitarbeitern nachweisen, dass Männer und Frauen gleich bezahlt werden.“ Nicht umsonst liege Island laut dem Gender Gap Report von 2016 zum neunten Mal in Folge auf Platz 1, Österreich dagegen auf Platz 52.

Die Liste Fritz macht den „Fleckerlteppich bei der Kinderbetreuung“ als einen der Hauptgründe aus, warum Frauen bei den Einkommen hinterherhinken. „Ungerecht, unsozial, unverantwortlich. Die Tatsache, dass wir Frauen in Tirol immer noch benachteiligt werden, wenn es ums Geld geht, ist untragbar“, meint die Klubobfrau der Liste Fritz, Andrea Haselwanter-Schneider. „Das Märchen vom gleichen Lohn für gleiche Arbeit können wir schon lange nicht mehr hören.“

FPÖ-Frauensprecherin Evely­n Achhorner verweist auf das gestern zu Ende gegangene Frauenvolksbegehren. „Es enthält Forderungen, die jetzt schon problematisch sind: Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden und 50-50-Frauenquote in Wirtschaft und Politik.“ Zudem regt Achhorner auf, dass die „linken Frauen“ die Teilzeit nicht als Chance, sondern als Problem sähen.