Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 11.10.2018


Pflege

Strukturplan steht und fällt mit Personal

Das Land bessert den Strukturplan Pflege nach. Was fehlt, ist immer öfter das hierfür nötige Personal. Zudem fährt der Bund dem Land in die Parade.

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Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – In Tirol werden derzeit gezählte 1980 Menschen im Rahmen einer 24-Stunden-Pflege betreut. Eine Arbeit, die zum Großteil von ausländischen Kräften geleistet wird. Dass die schwarz-blaue Bundesregierung jetzt, wie berichtet, die Familienbeihilfe für Kinder im EU-Ausland an die dortigen Lebenskosten anpassen will, könnte diese Arbeitskräfte künftig wegbrechen lassen. Weil eben das de facto eine Kürzung der Familienbeihilfe bedeuten würde.

Im Land beobachtet man diese Entwicklung mit Sorge. Fakt ist: Um die 24-Stunden-Betreuung aufrechtzuerhalten, braucht man die ausländischen Pflegekräfte. Weil im Inland einfach viel zu wenig Angebot vorhanden ist. Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (VP) ist die Problematik bekannt. Zur Reform der Familienbeihilfe und deren Auswirkungen auf den Pflegekräfte-Arbeitsmarkt in Tirol meint er: „Alle Maßnahmen, die das gefährden, sind nicht günstig.“

Deutlicher werden da schon die in der Landeshauptstadt für die Gesundheit und Familien zuständigen Vizebürgermeister Christine Oppitz-Plörer (FI) und Franz Gruber (VP). Oppitz-Plörer bezeichnet den Bundesvorstoß gar als „vollkommen falsches Signal“, Gruber ortet die Gefahr einer drohenden Verschlechterung im Bereich der Pflege.

Und auch wenn der derzeit in Evaluierung befindliche Strukturplan Pflege 2012–2022 in die richtige Richtung zeigt, wie Tilg und Co. versichern: Er steht und fällt mit dem Angebot an Pflegekräften. Zwischen 2009 und 2015 habe man die Anzahl der Ausbildungsplätze verdoppelt, allein jene der Pflegehelferinnen um gut 50 Prozent aufgestockt, 2016 dann sogar die Ausbildung neu organisiert, sagt Tilg. Das ist die eine Seite. Die andere, so Tilg: „Die Schülerzahlen gehen zurück.“ Nicht nur in Tirol – in ganz Österreich. „Und das ist nicht gut“, sagt Tilg: „Da müssen wir rasch gegensteuern.“ Wie mit der bereits beschlossenen Entlohnungsangleichung, einer Imageoffensive, aber auch der Notwendigkeit, mehr Wiedereinsteigerinnen für die Pflege zu gewinnen. Tilg hofft auch auf Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FP): „Die Pflege muss österreichweit als Mangelberuf aufscheinen.“ Derzeit ist das nur für den diplomierten Bereich der Fall.

Die Liste Fritz begrüßte gestern zwar die Ankündigung des Ausbaus der Kurzzeitpflege, fordert von Tilg aber auch, dass das Land den Wohn- und Pflegeheimen auch die dementsprechenden finanziellen Spielräume geben müsse. „Pflegeheime können Kurzzeitpflegeplätze oft nur am Papier zur Verfügung stellen“, so Liste-Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider.