Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 25.10.2018


Bezirk Kitzbühel

Kritik an Mehrkosten wird ignoriert

Der Überprüfungsausschuss des Kitzbüheler Gemeinderates hat den Pletzernweg unter die Lupe genommen.

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© Harald Angerer



Von Harald Angerer

Kitzbühel – Die Erschließung des Pletzernhofes am Kitzbüheler Horn beschäftigt die Gemeinde Kitzbühel seit Jahrzehnten. Eine Zufahrt zu dem Hof war seit dem Jahr 1965 großer Wunsch der Hofbesitzer, doch erst im Jahr 2012 wurde dieser Wunsch Wirklichkeit. Einen wirklichen Abschluss fand die unendliche Geschichte aber erst bei der jüngsten Gemeinderatssitzung. Der Überprüfungsausschuss hatte sich mit dem Projekt beschäftigt.

Nicht ohne Grund, denn das Bauvorhaben wurde deutlich teurer als geplant. Von gut 800.000 Euro war noch beim Spatenstich die Rede, nach der Endabrechung waren es immerhin knapp 1,6 Millionen Euro für den 4,4 Kilometer langen Weg. Erschlossen wird damit nicht nur der Hof Pletzern, sondern auch Adlern und Moosen. Diese beiden Höfe sind aber nicht mehr bewirtschaftet.

Überprüfungsausschuss-Obmann Jürgen Katzmayr (SPÖ) hatte für seinen Prüfbericht eine Präsentation vorbereitet, mit der auch der Werde­gang des Weges umrissen wurde. Für das Vorhaben gab es drei Angebote zwischen 580.000 und 630.000 Euro. Wobei unter anderem die Hangsicherungsarbeiten im Angebot ausgenommen wurden. Dies sei sehr unüblich, heißt es dazu von einem Experten. Hermann Huber, ÖVP-Gemeinderat und zuständiger Wegausschuss-Obmann, betonte allerdings, dass es kein­e Angebotssumme gegeben habe, sondern einen Laufmeter­preis.

Der Kostenschlüssel war mit 60 Prozent Land Tirol, 20 Prozent Stadt und 20 Prozent Weginteressentschaft festgelegt worden. Da die zwei Grundbesitzer die Flächen zur Verfügung gestellt haben, hat die Stadt auch deren Kostenanteil übernommen. Damit trifft es die Stadt nicht mit den zuletzt geplanten 312.000 Euro, sondern letztlich mit 621.000 Eur­o. Das entspricht 309.000 Euro an Mehrkosten. Die Bilanz des Überprüfungsausschuss-Obmanns: „Es wurden mit dem Weg Pletzern, Adlern und Moosen erschlossen, ich betrachte das als sinnvoll.“

Anders sieht man das bei der Liste Unabhängige Kitzbüheler (UK). „Das war ein unseriöses Angebot. Herausgekommen ist eine massive Kostenüberschreitung, die der Steuerzahler zahlt“, ärgert sich GR Marielle Haidacher. Von Seiten der ÖVP wird hervorgehoben, dass nicht die Stadt der Auftraggeber des Weges war, sondern die Weginteressentschaft. Und Bürgermeister Klaus Winkler (ÖVP) betont, dass es für die Überschreitungen Beschlüsse des Gemeinderates gebe. Man sei immer von etwa 1,1 Millionen Euro für den Weg ausgegangen. Für ihn seien die Mehrkosten nicht zufriedenstellend, aber zu vertreten. Die Öffentlichkeit profitiere von dem Weg. „Dann ist ja alles optimal verlaufen und alles ist gut“, wirft dazu GR Manfred Filzer resignierend in die Diskussion ein.