Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 04.11.2018


Exklusiv

Israelreise des Landes: Besonderes Zeichen der Verantwortung

Mit der Israelreise des Landes verknüpft LH Platter (VP) eine klare Botschaft: Wir tragen Verantwortung, dass die Gräuel der Nazizeit nie wieder passieren dürfen.

© Die FotografenBei den Denktagen in Innsbruck hoben LH Günther Platter, LH Arno Kompatscher (Südtirol) und Giuseppe Zorzi (Trient) die Bedeutung der Europaregion Tirol für ein friedliches und grenzüberschreitendes Zusammenleben im heutigen Europa hervor.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Erinnern, gedenken, mahnen. Die „Denktage 1918/2018“ in Innsbruck schauen zurück auf 100 Jahre Republik, aber auch nach vorne. In der Rückbesinnung liegt nämlich ein großer Schatten auf den 100 Jahren. Während Tirol, Südtirol und das Trentino mit der Europaregion Tirol die Zerreißung des Landes nach dem Ersten Weltkrieg durch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit überwinden, gilt es die Geschehnisse vor 80 Jahren mit der Nazi-Herrschaft nach wie vor aufzuarbeiten.

Denn die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November war in Innsbruck, gemessen an der Anzahl von jüdischen Mitbewohnern und im Vergleich mit anderen Städten, mit vier Ermordeten und besonders heftigen Ausschreitungen die blutigste im damaligen Dritten Reich. Richard Berger, Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde in Innsbruck, Richard Graubart und Wilhelm Bauer wurden von den Nazi-Schergen sofort umgebracht, Josef Adler starb Monate später an den Folgen der Misshandlungen.

Nächste Woche wird am 10. November an die brutalen Ereignisse im November 1938 gedacht. Am Landhausplatz. Das 1995 von Tiroler Jugendlichen angeregte Pogromdenkmal mit der siebenarmigen Menora machte aus dem Eduard-Wallnöfer-Platz einen Ort des zeitlosen Erinnerns. Dahinter, im ehemaligen Gauhaus, dem heutigen Sitz der Landesregierung, wurden schließlich 1938 die Morde und Übergriffe in Auftrag gegeben. Von Gauleiter Franz Hofer.

„Heute ist das Landhaus die Antithese zu damals, das Zentrum der Tiroler Demokratie“, betont LH Günther Platter (VP). Nächste Woche wird der Landeshauptmann eine Studien- und Gedenkreise nach Israel leiten, „um der gemeinsamen Vergangenheit zu gedenken und geschehenes Unrecht zu mahnen“. Neben Vertretern des Landes werden u. a. Studenten der Universität Innsbruck, Landesschützenkommandant Fritz Tiefenthaler, Bischof Hermann Glettler, der evangelische Superintendent der Diözese Salzburg und Tirol, Olivier Dantine, und der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg, Günther Lieder, mit nach Israel reisen.

Superintendent Dantine bezeichnet die Reise als „besonderes Zeichen der Verantwortung für das Gedenken an das Schicksal der jüdischen Gemeinde in Tirol“. Unmittelbar vor dem 80. Jahrestag der Pogromnacht vom 9. November 1938 werde so „auch an die beschämende Geschichte des Schweigens der meisten Menschen und Institutionen zu diesen schrecklichen Ereignissen erinnert. Zu diesen Institutionen gehörte auch die evangelische Kirche. So hat gerade sie eine besondere Verantwortung für das Gedenken.“

Es wird zugleich eine Begegnung sein, ein Zusammentreffen mit Vertriebenen und aus Österreich stammenden Holocaust-Überlebenden, darunter mit dem in Innsbruck geborenen Abraham Gafni. „Unser Land und das jüdische Volk verbindet eine lange, wechselvolle Geschichte, die in der Vergangenheit von vielen dunklen Stunden geprägt war“, sagt Platter gegenüber der TT.

Seine Generation und die Generationen nach ihm hätten, so Platter, diese Verbrechen nicht direkt miterlebt. „Dennoch tragen wir eine Verantwortung, dass solche Gräuel nie wieder passieren. Aus diesem Grund ist eine gelebte Erinnerungskultur von so großer Bedeutung.“ Die Israelreise und die Gedenkveranstaltung am 10. November sind für Platter ein deutliches Zeichen dafür, „dass wir zu dieser Verantwortung stehen und alles dafür tun werden, dass es zu solchen dunklen Stunden nie wieder kommen wird“.

Am Landhausplatz erinnert die Menora an die Opfer der Pogromnacht in Innsbruck vor 80 Jahren.
- Michael Kristen