Letztes Update am Di, 20.11.2018 09:48

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbruck

Lärm, Alkohol, Drogen: Info-Abend zum Brennpunkt Mentlgasse

Auf Anrainerbeschwerden folgte eine Petition der Opposition im Innsbrucker Gemeinderat: Die Zustände rund um die Mentlvilla in Innsbruck seien „nicht mehr tragbar“. Heute Abend wollen Stadtpolitik und Experten geplante Schritte und Maßnahmen präsentieren.

© Böhm / TTDie Vorgänge rund um die Betreuungseinrichtung Mentlvilla haben eine Diskussion über die städtische Drogenpolitik losgetreten.



Innsbruck – Herumliegende Spritzen, Drogengeschäfte, Alkohol, Lärm, Gewalt. Das Treiben im Umkreis der Mentlvilla in Innsbruck verärgert und belastet nicht nur die Anrainer, sondern hat längst auch politische Wellen geschlagen, die TT berichtete mehrfach. Am Dienstagabend (20.11.) sollen nun im Rahmen einer Bürgerinformation Lösungen präsentiert werden.

Ab 19 Uhr laden Bürgermeister Georg Willi (Grüne), Vize-BM Franz Gruber (ÖVP) zusammen mit MÜG-Chef Elmar Rizzoli, Stadtpolizeikommandant Martin Kirchler und Jürgen Gschnell, Leiter des Caritas-Beratungszentrums, in das Stadtteilzentrum Wilten in der Leopoldstraße. Sie stünden für einen konstruktiven Austausch bereit, heißt es in einer Aussendung.

Willi: „Probleme lösen und nicht verlagern“

Die Gemeinderäte hatten BM Willi Mitte Oktober aufgefordert, umgehend und per Notrecht zu handeln. Die Petition wurde von rund 60 Anrainern der Südbahnstraße, Mentlgasse und Adamgasse unterschrieben. Nach einem Lokalaugenschein mit Sicherheitsstadtrat Gruber war sich auch Willi der Problemlage bewusst. Das Verhalten der sozialen Randgruppen sei für die Anwohner nur schwer erträglich. „Aber auch sie sind Teil unserer Gesellschaft. Deshalb braucht es einen ‚Mix‘ aus sozialpolitischen und ordnungspolitischen Maßnahmen.“ Ohne begleitende Maßnahmen würde sich das Problem nur immer weiter verlagern. „Was wir brauchen, sind Räume, wo sich diese Menschen aufhalten können, ohne dass es zu Konflikten mit der Anwohnerschaft kommt.“

Vize-BM Franz Gruber (ÖVP) im Gespräch mit den verärgerten Anrainern.
- IKM/freinhofer

Ruf nach Drogenkonsumraum fand weitgehend Anklang

Die Forderung nach einem Drogenkonsumraum wurde laut – und fand prompt eine breite politische Basis. Suchtgiftabhängige sollen dort legal und unter Aufsicht von Sozialarbeitern und medizinischen Betreuern illegale Drogen konsumieren können. Vize-BM Gruber bezeichnete die Errichtung eines Drogenkonsumraumes als „alternativlos. Die Errichtung eines Raumes, in dem Schwerstabhängige legal und medizinisch überwacht ihre Drogen konsumieren können, dient vor allem der Sicherheit der Bevölkerung“, betont Gruber.

In Österreich konnte ein Drogenkonsumraum trotz jahrzehntelanger Bemühungen noch nicht installiert werden. Andere Länder wie Deutschland haben damit bereits sehr gute Erfahrungen gemacht.“
Ekkehard Madlung-Kratzer, Suchtexperte

Dabei handle es sich keineswegs um einen „Chillraum“, wie Suchtexperte Ekkehard Madlung-Kratzer betont, sondern er stehe lediglich für wenige Minuten während des Konsums zur Verfügung. „In Österreich konnte so etwas trotz jahrzehntelanger Bemühungen noch nicht installiert werden. Andere Länder wie Deutschland haben damit bereits sehr gute Erfahrungen gemacht.“

Auch BM Georg Willi, die NEOS, die „ALI“ sowie die zuständige Landesrätin Gabriele Fischer sprechen sich dafür aus. FPÖ und FI stehen der Sache skeptisch gegenüber. Dies sei weder moralisch noch rechtlich umsetzbar. (TT.com)