Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 23.11.2018


Innsbruck

Alarmstufe Rot bei der gelben Innenstadtkarte

Heftige politische Debatten über das mögliche Aus der städtischen Förderung. Innenstadtverein und WK warnen vor fatalen Folgen.

© Thomas BöhmBeliebtes Zuckerl zum Einkauf: Die Innenstadtkarte könnte durch eine fehlende Förderung der Stadt vor dem Aus stehen.



Innsbruck – Sie gehört einfach dazu. Die gelbe Innenstadtkarte, mit der man nach einem Einkauf 30 Minuten gratis parken oder die IVB nutzen kann. Seit 2010 unterstützt die Stadt diese Einrichtung finanziell. Im aktuellen Budgetentwurf wurde die Förderung angeblich gestrichen oder zumindest gekürzt. Nun herrscht Alarmstufe Rot um die gelbe Karte.

Hinter den Kulissen brodelten die Gerüchte schon länger. Am Montag soll in einer Sitzung mit Kaufleuten das Thema auch offiziell zum ersten Mal kommuniziert worden sein. Gestern griff dann die FPÖ das Thema auf und Vize-BM Christine Oppitz-Plörer (FI) frontal an. FP-Klubobmann Markus Lassenberger sieht sie „als Wirtschaftsstadträtin gescheitert“ und unterstrich die Bedeutung der Karte.

Um 110.000 Euro sollen die Zuwendungen wohl laut Budgetvorentwurf gekürzt werden – und damit das Aus der städtischen Förderung besiegelt werden. Wohl nicht sofort. Schließlich müssten auch im kommenden Jahr eingelöste Karten abgerechnet werden. Fix scheint das noch nicht und unklar blieb gestern vorerst auch, von wem der Vorschlag ausgeht. Thomas Hudovernik, Obmann des Innenstadtvereins, ist jedenfalls alarmiert. Er gibt die Hoffnung in Hinblick auf ein Gespräch mit BM Georg Will­i nicht auf. Und betont: „Wir brauchen diese Karte ganz dringend. Sie kommt hervorragend an.“ Zuletzt habe man über 500.000 Karten ausgegeben. Davon seien 125.000 bei den IVB eingelöst worden. Und: „51,7 Prozent zahlen die Unternehmen“, sagte Hudovernik. „Wir verschließen uns einer Debatte nicht. Hals über Kopf ein bestehendes System einzustellen, wäre aber fata­l.“ Kritik kommt von VP-KO Johanne­s Anzengruber: „Wir müssten solche Systeme eigentlich noch forcieren. Sie unterstützen die Wirtschaft.“ Zudem würde man damit die Menschen zu den öffentlichen Verkehrsmitteln bringen.

Bei FI wies man die Kritik zurück. Man „bedauert zwar die Kürzung aus dem Budget des Stadtmarketings, unterstützt aber diesen Vorschlag des Bürgermeisters zur Stärkung der Stadtteile und damit kann nun der Fokus auf die wirtschaftliche Entwicklung der Stadtteile gelegt werden“, erklärte Wirtschaftssprecher Markus Stoll. Auch Gespräche mit den Garagenbetreibern sollen folgen. Die 250.000 Euro an Förderungen seien bisher hauptsächlich 40 innerstädtischen Betrieben zugutegekommen, rechnet KO Lucas Krackl (FI) vor.

Von der Wirtschaftskammer gab es naturgemäß Rückendeckung für die Innenstadtkaufleute. WK-Präsident Christoph Walser sieht es als „dringend notwendig“, die Karte finanziell zu unterstützen. BM Willi verweist auf laufende Gespräche: „Die Unterstützung der Stadt hatte den Hintergrund, die Innenstadtkaufleute im Wettbewerb zu unterstützen. Inzwischen wurde die Innenstadt attraktiv gemacht. Wir haben uns in der Koalition darauf verständigt, die Wirtschaftsbetriebe in den Stadtteilen wie Wilten oder Pradl stärker in den Mittelpunkt zu rücken und die Unterstützung durch die öffentliche Hand fairer zu verteilen.“ (mw)