Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 05.12.2018


Bezirk Imst

Hochoetz-Kühtai: Jetzt haben es alle sehr eilig

Nicht nur Agrarmitglieder wurden bis jetzt nicht informiert, sondern auch der Haiminger Gemeinderat. BM Leitner versteht die Aufregung nicht.

Die Feldringer Böden stehen symbolhaft für den Konflikt um den geplanten Skigebietszusammenschluss von Hochoetz und Kühtai. Kritiker des Vorhabens befürchten die Zerstörung des Natur- und Skitourenparadieses.

© SchwarzDie Feldringer Böden stehen symbolhaft für den Konflikt um den geplanten Skigebietszusammenschluss von Hochoetz und Kühtai. Kritiker des Vorhabens befürchten die Zerstörung des Natur- und Skitourenparadieses.



Von Peter Nindler

Haiming, Silz – Unabhängig von den Seilbahngrund­sätzen hat die schwarz-grüne Landesregierung die geplante Verbindung der Skigebiete Hochoetz und Kühtai mit der Schafjochbahn im März im Regierungsprogramm verankert. Und nicht nur das: Das Projekt wurde nach einer Vorprüfung von der Abteilung Raumordnung bereits im Frühjahr 2018 als realisierbar eingestuft. Die Informationen darüber und das Liftprojekt drangen in den vergangenen Monaten aber nur spärlich bis gar nicht nach außen. An der mangelnden Aufklärung entzündet sich aktuell ein heftiger Konflikt. Mitglieder der Agrargemeinschaft Ochsengarten und betroffene Kommunalpolitiker wollen sich das nicht mehr länger gefallen lassen. Deshalb haben es die regionalen Entscheidungsträger jetzt eilig.

Der Haiminger Bürgermeister Josef Leitner hat den Gemeinderat für kommenden Freitag zu einer Präsentation der geplanten Seilbahnverbindung eingeladen. „Am 15. Dezember sollen wir offenbar schon darüber abstimmen“, empört sich die Haiminger Grün-Gemeinde­rätin Petra Hofmann über die bisherige Geheimhaltungspolitik. Das komme für sie nicht überraschend, „aber dass der Gemeinderat bisher nicht informiert wurde, ist einfach nicht richtig“. Er kenn­e das Vorhaben ebenfalls erst seit 7. November, kann Bürgermeister Leitner die Empörung nicht nachvollziehen. Dann gibt er jedoch zu, dass die Oetzer Bergbahnen ihn schon im Sommer informiert hätten. „Aber dann hieß es zurück an den Start, weil die Verbindung wesentlich verändert worden sei.“ Außerdem sei Haiming von der Verbindung nicht so sehr berührt, hauptsächlich betreffe es die Gemeinde Silz mit den Feldringer Böden.

Das sehen die Agrarmitglieder von Ochsengarten hingegen anders. Mit einer Unterschriftenaktion haben sie sich in der Vorwoche Luft verschafft. Vor der heutigen Agrarsitzung schießen sie weiter scharf: „Was bringt uns das Projekt in Zukunft, wenn wir bereits in der Startphase über den Tisch gezogen werden?“, halten die Grundbesitzer mit ihrer Kritik nicht hinterm Berg.

Gegenüber der TT äußern die Agrarmitglieder massive Bedenken, weil sie außerdem nicht wüssten, „was mit unserem Trinkwasser passiert, das genau von dort kommt, wo die Pisten und Lifte geplant sind“. Pisten und Mittelstation der neuen Seilbahnverbindung würden ebenfalls auf dem Weidegebiet errichtet werden. Und schlussendlich finden es die Bauern traurig, dass sie erst aus der Zeitung bzw. aus dem Fernsehen vom Liftprojekt erfahren hätten. Bei der Agrarversammlung dürften deshalb wohl zahlreiche Fragen gestellt werden.

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Trotz der Verlängerung des Tiroler Seilbahn- und Skigebietsprogramms will die überparteiliche Bürgerinitiative „Nein zur Zerstörung von Feldringer Böden und Schafjoch“ nicht aufgeben. „Für uns ändert sich nichts. Solange Projekte wie der Zusammenschluss Hochoetz-Kühtai grundsätzlich genehmigungsfähig sind, ist das Regelwerk das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben ist“, richtet Sprecher Gerd Estermann der Politik aus.