Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 05.12.2018


Landespolitik

Alpenverein bleibt dabei: „Es ist genug“

Forderung nach touristischen Endausbaugrenzen und Bürgerdialog bleibt. Positivkampagne soll aufrütteln.

Ein Alpenvereinstrio, das aufrütteln will: Gerold Benedikter, Liliana Dagostin, Robert Renzler.

© Alpenverein/Peter NeunerEin Alpenvereinstrio, das aufrütteln will: Gerold Benedikter, Liliana Dagostin, Robert Renzler.



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Die am Montag von der Landesregierung beschlossene Fortschreibung des Seilbahnprogramms (TSSP) bis ins Jahr 2024 beschäftigte gestern auch den Alpenverein. Wie berichtet, wird das geltende Programm durch einige Reformpunkte des nach heftigen Widerständen fallen gelassenen, ursprünglichen Begutachtungsentwurfs aufgefettet. Darunter die Möglichkeit der Erweiterung von Skigebieten durch Zubringerlifte (ohne Talpiste) aus Ballungszentren. Applaus vom Alpenverein erhält Schwarz-Grün dafür keinen. Das, was früher Neuerschließung hieß, werde jetzt Erweiterung genannt, so die Kritik. Man vermisse weiterhin Endausbaugrenzen und den Dialog mit der Bevölkerung, wie Generalsekretär Robert Renzler sagte. Für die Leiterin der Abteilung Raumordnung und Naturschutz im Alpenverein ist die Strategie dahinter klar: „Die Filetstücke wurden herausgelöst – über die Knochen wird diskutiert.“ Was die massentouristische Erschließung der Natur im Alpenraum betreffe, sei das Motto klar, sagt Renzler: „Genug ist genug.“ Mit Zahlen untermauert: Die 3400 Pistenkilometer in Tirol entsprächen bereits mehr als der Hälfte des Erdradius.

Nach Kappl-St. Anton hofft der Alpenverein, nun auch die Verbindung Pitztal-Ötztal zu Fall zu bringen. Einige der Argumentationslinien zu Kappl-St. Anton, denen letztlich das Bundesverwaltungsgericht gefolgt ist, meint man auch für Pitztal-Ötztal ins Treffen führen zu können, hieß es gestern. Jedoch: „Wir sehen uns nicht als Gegner, sondern als Teil des Tourismus“, stellte Renzler fest. In manchen Bereichen sei man sogar „Teil des Rückgrats“. Dem Vorwurf aus der Seilbahnwirtschaft, man würde nur verhindern und blockieren, tritt man entgegen: Allein zwischen 2005 und 2017 seien 21 Skigebiets­erweiterungen außerhalb und 114 innerhalb des in diesem Zeitraum gültigen Seilbahnprogramms genehmigt worden, zählte Renzler auf.

Die (Image-)Kampagne „Unsere Alpen – einfach schön“ zieht aber größere Kreise: Sie wird in Kooperation mit dem Deutschen und Südtiroler Alpenverein erfolgen. Gestern erfolgte der länderübergreifende Auftakt. Hier geht es auch darum, die Bevölkerung u. a. für den Bodenverbrauch zu sensibilisieren. Der Österreichische Alpenverein widmet sich insbesondere der befürchteten Aufweichung der Wasserrahmenrichtlinie. Die Kampagne ist für bis zu drei Jahre ausgelegt.




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