Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.12.2018


Bezirk Reutte

Ehrwalder Heimatmuseum weiter in der Schwebe

Der Öffnungstermin mit Weihnachten hält nicht, Ostern scheint ebenso unsicher: Irritationen zwischen Verein und Gemeinde.

© PaschingerAufwändig war die Sanierung des Spinnhofes in Ehrwald aufgrund der Vorgaben des Denkmalamtes. Im Parterre sollte eigentlich das Heimatmuseum Platz finden – die Schlüssel wurden aber zurückgegeben.



Von Alexander Paschinger

Ehrwald – Das Kende-Areal. Unendliche Räumlichkeiten. So hatte man zumindest am Anfang gehofft. Denn das Wohnprojekt sollte neben Sozialsprengel und Rotem Kreuz auch dem Heimatmuseum Platz bieten. Noch im Mai bei der feierlichen Schlüsselübergabe an die neuen Bewohner hatte Vereinsobmann Peter Steger auf den geplanten Eröffnungstermin zu Weihnachten verwiesen. Auf Nachfrage der TT meint der Obmann allerdings: „Weihnachten haut nicht hin.“ Es gebe Probleme mit dem Gebäude und „es hängt stark von der Gemeinde ab, ob wir zu Ostern aufmachen können.“ Ob dieser Termin hält, kann aber auch Bürgermeister Martin Hohenegg „noch nicht sagen“. Tatsache sei, dass der Standort Heimatmuseum in der Schwebe sei – nicht zuletzt deshalb, weil der Verein die Schlüssel im November wieder zurückgegeben hatte.

Was war passiert? Im Zuge der Planungen waren dem Verein Räumlichkeiten im denkmalgeschützten Teil des Kende-Areals, dem Spinnhof, angeboten worden: 120 m². Die Gemeinde tritt als Mieter auf und stellt sie dem Heimatmuseum zur Verfügung. Vor einem Jahr schwenkte der Verein kurzzeitig um und fragte um die Nutzung des Alten Kinos an, schildert der Bürgermeister, der jedoch noch zum Bleiben im Spinnhof überreden konnte.

Es gebe Probleme mit der Elektrik und der Beleuchtung, die Brandschutztüre klemme, einer der Depoträume sei ein „Erdäpfelkeller“ mit 1,20 m Raumhöhe. „Da stelle ich andere Ansprüche“, sagt Obmann Steger. Er gehe schon davon aus, dass alles funktioniert. Und zu den 120 m² meint er: „Es kommt darauf an, was man alles dazuzählt – wir brauchen etwa den Pavillon nicht und können ihn auch gar nicht nutzen.“ Übrig würden daher nur 65 m² Ausstellungsfläche bleiben.

„Wir sind ja eine kleine Gemeinde, wir haben nicht die Möglichkeit für eine riesige Ausstellungshalle“, sagt der Bürgermeister, der sich seitens des Vereins mehr Engagement in den Spinnhof-Räumen erwartet hätte. Die übergebene Mängelliste und die retournierten Schlüssel führten im Ehrwalder Gemeinderat zuletzt zu Irritationen und wurden als Schlussstrich gewertet, weshalb der Bürgermeister den Auftrag erhielt, sich auch andere Nutzungsmöglichkeiten im Spinnhof zu überlegen.

Der Vereinsobmann sieht aber die Gemeinde am Zug, geeignete Räume zur Verfügung zu stellen, damit die anvisierte Ausstellung zu den prähistorischen Funden von der Annakapelle zumindest im Sommer zustande kommt. In zwei Teilen sollen zuerst die Hauptfunde und dann ein Prunkstück – ein seltenes bronzenes „Tonnenarmband“ – präsentiert werden.