Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 07.01.2019


Exklusiv

Wenn es in der Gemeinde eng ist, hilft der TVB aus

Marode Gemeindebudgets würden durch Tourismusgelder aufgefettet, kritisiert die FPÖ. Dadurch fehle den TVB Geld für das Marketing.

Investitionen in Infrastruktur seien auch Investitionen in eine bessere Tourismusgesinnung, meint Ötztal-Touristiker Oliver Schwarz.

© oetztal tourismusInvestitionen in Infrastruktur seien auch Investitionen in eine bessere Tourismusgesinnung, meint Ötztal-Touristiker Oliver Schwarz.



Von Anita Heubacher

Innsbruck – Die Hitparade der finanzkräftigsten Tourismusverbände ist schon länger unverändert. Am meisten Budget hat der Ötztal Tourismus. Allein aus der Aufenthaltsabgabe, die die Gäste zahlen, und dem Pflichtbeitrag, den die Betriebe in unterschiedlicher Höhe berappen müssen, lagen 2017 rund 16 Millionen Euro im Topf. Dazu kommen noch vier Millionen Euro, die der Tourismusverband von den drei Bergbahnen im Tal zur Vermarktung erhält.

Platz 2 mit 15,6 Millionen Euro aus Aufenthaltsabgabe und Pflichtbeiträgen geht 2017 an Innsbruck und seine Feriendörfer. Auf dem dritten Stockerlplatz liegt Ischgl mit 11,3 Millionen Euro. Danach ist es mit der Zweistelligkeit vor dem Komma vorbei. Potenter sind noch Seefeld und Serfaus-Fiss-Ladis. Am unteren Ende der Skala finden sich Tourismusverbände wie jener im Lech- oder Wipptal mit rund je 1,2 Millionen Euro Budget.

Das Budget ist das eine, die Gesamtausgaben für 2016 das andere. Beides hat sich die FPÖ von ÖVP-Tourismusreferent LH Günther Platter erheben lassen. Nach dem Studium der Zahlen kommt Tourismussprecher Alexander Gamper zum Schluss, „dass vor allem in finanzschwachen Gemeinden die Tourismusverbände immer stärker zum Handkuss kommen“. Im Lechtal beispielsweise habe der Tourismusverband 2016 rund 1,6 Millionen ausgegeben, 56 Prozent davon seien in Infrastrukturprojekte geflossen. In Reutte seien es auch sehr hohe 54 Prozent, die der TVB in Infrastruktur gesteckt habe, der TVB Stubai bringe es ebenso auf 54 Prozent. „Die ureigenste Aufgabe der Tourismusverbände ist es, Werbung zu machen, und nicht Wanderwege zu bauen“, kritisiert Gamper. Im Lechtal, ohnehin ein sehr schmales Budget, seien nur 17 Prozent in die Bewerbung geflossen.

Die Umverteilung stört die FPÖ auch deshalb, „weil Betriebe eine Tourismusabgabe zahlen, damit sie von den Gästen profitieren“. Wenn die Gäste aber weniger zahlreich kämen, weil die Werbung zu schwach sei, sei auch dieser Vorteil dahin. „Die Tourismusabgabe trifft viele. Auch Branchen, bei denen man sich ohnehin schon fragt, wofür man eigentlich bezahlt.“ Dass ein Sportartikelhändler eine Tourismusabgabe zu zahlen haben, sei nachvollziehbar, meint Gamper. „Aber dann sollte sein Beitrag auch in die Bewerbung der Gäste fließen.“

Für Touristiker Oliver Schwarz ist die Kritik nicht gänzlich aus der Luft gegriffen. Immer mehr Tourismusverbände würden in die Rolle des Infrastruktur­investors gedrängt, weil die Gemeinden selbst kein Geld mehr hätten. „Die Hälfte des Tourismusbudgets sollte ins Marketing gehen, 25 Prozent in die Infrastruktur und 25 Prozent in Personal und Verwaltung investiert werden“, sagt Schwarz. Die 50-Prozent-Marke erreicht Ötztal Tourismus bei 20 Millionen Euro Budget. „Unsere Haupttätigkeit ist das Generieren von Nächtigungen auf den Märkten.“

„Die Tourismusabgabe trifft viele. Auch Branchen, bei denen man sich ohnehin schon fragt, wofür man eigentlich bezahlt", so Alexander Gamper (FPÖ-Abgeordneter).
„Die Tourismusabgabe trifft viele. Auch Branchen, bei denen man sich ohnehin schon fragt, wofür man eigentlich bezahlt", so Alexander Gamper (FPÖ-Abgeordneter).
- Rottensteiner

Wenn ein Viertel des Budgets in Infrastruktur fließe, dann komme das der Bevölkerung zugute. Das sollte die Tourismusgesinnung heben. „Leider ist das nicht immer der Fall. Vielleicht verkaufen wir das intern zu schlecht, oder es fehlt an der entsprechenden Wahrnehmung“, sagt der Touristiker und nennt ein Beispiel. Durch das gesamte Ötztal wird derzeit ein Radweg um sieben Millionen Euro gebaut. „Sechs Talgemeinden zahlen zusammen gerade einmal eine Million. Drei Millionen Euro zahlen wir und drei Millionen Euro erhalten wir durch Förderungen vom Land.“ Allgemein könne bei einer solchen Geldverteilung nicht die Gemeinde, sondern müsse der jeweilige Tourismusverband entscheiden, meint Schwarz.