Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 16.01.2019


Exklusiv

Brennerpass bleibt für Lkw billig: Korridormaut scheitert in Südtirol

Dämpfer für Tirol für seine Anti-Transitpolitik: „Rom ermöglicht keine Mautanhebung auf Brennerachse“, erklärt Südtirols Autobahnchef Pardatscher.

Die Brennerachse bleibt auch weiterhin die „Sparschiene“ der Alpenpässe. Rom lässt keinen Spielraum für eine Korridormaut zu.

© Thomas Boehm / TTDie Brennerachse bleibt auch weiterhin die „Sparschiene“ der Alpenpässe. Rom lässt keinen Spielraum für eine Korridormaut zu.



Von Peter Nindler

Innsbruck, Bozen – Ein Eckpfeiler in der Anti-Transitpolitik der Europaregion Tirol und von Landeshauptmann Günther Platter (VP) ist schon vor seiner Aufstellung eingeknickt: die geplante stufenweise Anhebung der Lkw-Mauttarife auf der Brennerautobahn vom Brenner bis Verona von derzeit 16 Cent pro Kilometer auf das Niveau des Bundeslands Tirols. Also auf rund 80 Cent. In Bayern ist eine Erhöhung politisch ohnehin kein Thema.

Mit der Übertragung der Autobahn-Konzession an die von Südtirol und dem Trentino sowie weiteren öffentlichen Körperschaften gegründeten BrennerCorridor AG sollte die Mauterhöhung auf dem 236 Kilometer langen Abschnitt der Brennerautobahn in Italien umgesetzt werden. Doch zum einen hapert es nach wie vor mit der Konzession, andererseits will das italienische Transportministerium nichts von einer Mauterhöhung wissen. „Die vom Transportministerium im Rom vorgegebenen Mauttarife orientieren sich an den Investitionen, da ist kein Spielraum für eine höhere Tarifgestaltung drinnen“, sagt der Vorstand der Südtiroler Brennerautobahn AG Walter Pardatscher. Nicht einmal in den nächsten Jahren ist eine Korridormaut möglich.

Pardatscher stützt sich auf den Beschluss des interministeriellen Komitees für die Wirtschaftsprogrammierung (CIPE) über die Genehmigung des Vertragsentwurfes zur Konzessionsvergabe. Für ihn, der ebenfalls eine Korridormaut befürwortet, ist der politische Wunsch das eine, die Realität allerdings eine völlig andere. „Wir können sogar froh sein, dass die Mauthöhe gleich bleibt. Die Tendenz in Italien geht derzeit nämlich klar in Richtung Senkung, um die Wirtschaft zu fördern.“ Damit wird der Brenner wohl einer der billigsten Alpenpässe für den Schwerverkehr bleiben.

Zuletzt wurden bei einem Treffen mit EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc Hoffnungen auf die von Platter und Verkehrsreferentin LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) geforderte Korridormaut geweckt. Bulc will nämlich die Brennerachse als Pilotregion für ein solches Mautmodell etablieren. Und auch in der aktuellen Koalitionsvereinbarung zwischen der Südtiroler Volkspartei und der Lega wurde das Ziel einer Mauterhöhung vereinbart. „Mit Übergang der Konzession zur Führung der A22 muss auch eine Mauterhöhung für den Schwerverkehr erfolgen, damit die Preisschere zu den anderen Alpenübergängen geschlossen wird“, heißt es darin. Nur Rom denkt offenbar anders. Einzig die Euro- vignette mit der Anlastung externer Kosten für besonders schadstoffreiche (alte) Lkw ist ein kleiner Silberstreif am Horizont. Aber nicht mehr.

Ungemach droht Tirol auch von der Wirtschaftskammer. Für den Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr sind die Lkw-Mauttarife um 25 Prozent zu hoch. „Damit die Mauthöhe nachweislich den tatsächlichen Kosten für die Straßenbenützung entspricht, müsste eine transparente Berechnung des Infrastrukturanteils der Maut eingeführt werden“, fordert Alexander Klacska.