Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 17.01.2019


Exklusiv

Pächterwechsel: Protest gegen Neuvergabe der Möslalm

Nach 86 Jahren gibt es auf der städtischen Alm einen Pächterwechsel, FPÖ und Gerechtes Innsbruck sind sauer. Die Stadt argumentiert damit, dass der neue Pächter das “konsequentere Angebot“ vorgelegt hat.

Die Möslalm im Karwendel ist im Besitz der Stadt Innsbruck. Mit der Sommersaison soll es dort zu einem Pächterwechsel kommen.

© Stadt InnsbruckDie Möslalm im Karwendel ist im Besitz der Stadt Innsbruck. Mit der Sommersaison soll es dort zu einem Pächterwechsel kommen.



Von Denise Daum

Innsbruck – Seit den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wird die Möslalm im Karwendelgebirge von der Familie Kircher bewirtschaftet. Der Alm ist eine eigene Alm-Sennerei angeschlossen, bis zu 250 Stück Vieh weiden dort oben. Die Stadt Innsbruck als Eigentümerin hat aufgrund des Auslaufens des Pachtvertrags mit Ende 2018 die Alm neu ausgeschrieben, worauf drei Bewerbungen eingegangen sind. Die Koalition hat gestern im Stadtsenat einstimmig beschlossen, nicht mehr der Familie Kircher, sondern einem Bewerber aus Leutasch den Zuschlag zu erteilen. Grundlage für diese Entscheidung ist, „dass dessen Angebot das konsequentere war“, wie der für Forstwirtschaft zuständige Vizebürgermeister Franz Gruber erklärte.

„Wir haben die Ausschreibung auf Grundlage einer nachhaltigen Almwirtschaft und im Interesse der Weideberechtigten gestaltet“, sagt Gruber. Die Familie Kircher habe die Alm hervorragend betrieben und es tue ihm auch leid, das Pachtverhältnis nach so langer Zeit nicht mehr zu verlängern. „Aber wir fahren nun mal – in Absprache mit den Weideberechtigten, deren Interessen wir als Stadt auch vertreten zu haben – ein anderes Konzept. Die Almwirtschaft von früher ist nicht mehr die von heute.“ Das Vergabeverfahren sei transparent und nachvollziehbar, betont Gruber.

Die FPÖ, die gemeinsam mit Gerald Depaoli von „Gerechtes Innsbruck“ für die ehemalige Pächterfamilie Partei ergreift, hat im Stadtsenat ihr Veto eingelegt und mittels Minderheitenvotum die Zuweisung des Themas in den Gemeinderat bewirkt. „Die Almwirtschaft soll so betrieben werden, wie es in den vergangenen Jahrzehnten war“, betont FPÖ-Gemeinderat Max Kurz. Er findet es „schlimm“, wie die Stadt Innsbruck mit der Pächterfamilie umgeht.

Die Pächter selbst können die Entscheidung ebenfalls nicht nachvollziehen und sind sehr enttäuscht. „Wir waren mit Leib und Seele auf der Alm und haben auch viel investiert“, erklärt Josef Kircher. Im Laufe der Zeit habe es schon größere Auffasssungsunterschiede mit dem Forstamt gegeben, räumt er ein. Er hätte sich aber trotzdem gewünscht, als Innsbrucker und langjähriger Pächter bei der Vergabe bevorzugt zu werden. Dass der Gemeinderat anders als die Stadtregierung im Stadtsenat entscheidet, glaubt Kircher nicht.