Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 18.01.2019


Bezirk Kitzbühel

Landwirt in Kössen droht die Enteignung für Wegbau

Gibt es weiterhin keine Einigung für den Weiterbau des Gehwegs Erlaustraße, hat der Gemeinderat eine harte Maßnahme beschlossen.

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© Gemeinde Kössen



Von Michael Mader

Kössen – 400 Meter lang, zwei Meter breit, asphaltiert und beleuchtet. Es ist kein Mega-Bauvorhaben, das die Gemeinde Kössen unter dem Titel „Gehweg Erlau“ im Programm hat, dennoch ist Reinhold Flörl nicht der erste Bürgermeister, den dieses Projekt beschäftigt.

Insgesamt tangiert der Bau nämlich die Grundstücke von vier Landwirten und vier Privateigentümern, denen die Fläche für den Weg abgelöst wird. Nur mit einem wurde sich auch Flörl bis heute nicht handelseins. „Der Weg ist für uns enorm wichtig, weil westlich der Staffenbrücke bereits mehr als 900 Kössener wohnen und wir aus Sicherheitsgründen nicht nur den Dammweg als Verbindung haben möchten“, erklärt der Bürgermeister. Weil aber „trotz guter Gespräche“, wie Flörl betont, der betreffende Bauer keinen Grund hergeben möchte, haben die Gemeinderäte einstimmig beschlossen, im Falle des Falles eine Enteignung einzuleiten.

„Mir gefällt ja der Begriff Grundinanspruchnahme besser, der klingt nicht so negativ und hat nicht so einen bitteren Beigeschmack“, sagt Flörl. Er möchte aber auf keinen Fall die Türe zugestoßen wissen und wird vor der Einleitung des entsprechenden Verfahrens auf alle Fälle noch einmal mit dem Landwirt reden. Sollte es wirklich zur Enteignung kommen, wird der Grundstückseigentümer für die 298 Quadratmeter aber dieselbe Ablösesumme erhalten wie alle anderen, betont der Bürgermeister. Auch wenn der Aufwand für die Gemeinde dann wesentlich größer war.

Ungeachtet dessen wurde bereits die erste Hälfte des Weges von der Staffenbrücke bis zur Erlaustraße 10/11 im Vorjahr fertig gestellt. „Das Teilstück wird bereits sehr gut angenommen“, weiß Flörl. Kostenpunkt: 100.000 Euro. Sein Wunschziel wäre es, den Weg in der zweiten Jahreshälfte fertig zu stellen. Die Gesamtbaukosten würden sich auf rund 300.000 Euro belaufen. Für den zweiten Teil braucht es noch eine wasserrechtliche Genehmigung.