Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 19.01.2019


Exklusiv

Immobilienspekulation lässt die Wogen hochgehen

Immobilienfonds will nach zwei Jahren offenbar weitere Wohnanlagen gewinnbringend verkaufen. SPÖ spricht von Skandal in der Landeshauptstadt.

In Innsbruck ist der Wohnungsmarkt angespannt, die Spekulation mit den Buwog-Wohnungen sorgt erneut für heftige Debatten.

© Foto TT / Rudy De MoorIn Innsbruck ist der Wohnungsmarkt angespannt, die Spekulation mit den Buwog-Wohnungen sorgt erneut für heftige Debatten.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Dass der luxemburgische Immobilienfonds Jargonnant Partners (JP) die in Tirol erworbenen1146 Buwog-Wohnungen – 700 davon in Innsbruck – versilbern möchte, war von Anfang an klar. Um mehr als 120 Millionen Euro hat JP die Wohnanlagen Ende 2016 gekauft, die Buwog erzielte daraus einen Cashflow von rund 90 Millionen Euro. Zuvor betrugen ihre jährlichen Einnahmen aus Mieteinnahmen und dem Verkauf einzelner Wohnungen vier Mio. Euro.

Gemeinnützige Bauvereinigungen wie die Neue Heimat oder die Wohnungseigentum hatten damals ebenfalls Interesse angemeldet, doch mit dem Fonds konnten sie nicht mithalten. Dass jetzt der Neue­n Heimat 50 Wohnungen in der Innsbrucker Reichenaue­r Straße angeboten wurden, kommt angesichts des angespannten Wohnungsmarkts in Innsbruck nicht überraschend, ist aber dennoch skurril. Außerdem gibt es dort ein mit einem Wiederkaufsrecht besichertes Besiedelungsrecht der Stadt Innsbruck.

Die teilweise sanierte Anlage in der Reichenauer Straße dürfte nicht die einzige sein, die JP veräußern möchte. Offenbar gibt es weitere Gespräche. Doch der Verkaufspreis wird sich bei den Gemeinnützigen nicht spielen. 5,3 Millionen Euro bot die neue Heimat für die 50 Wohnungen, acht Millionen fordert JP. Die Wohnbauförderung wurde bereits 1987 zurückgezahlt, für einige Wohnungen werden bereits Mietpreise von bis zu 11,8 Euro/m² verlangt. Die Mieter gemeinnütziger Wohnungen bezahlen aktuell im Schnitt 6,7 Euro/m² inklusive aller Nebenkosten ohne Heizung.

Für Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi (Grüne) wäre es am besten, wenn die Wohnungen zu einem vertretbaren Preis zurück ins Portfolio gemeinnütziger Bauträger kommen. „Jedenfalls werden wir genau darauf achten, dass – egal bei welchem Käufer – unser Besiedelungsrecht eingehalten wird.“ In einer Stellungnahme ließ JP die TT wissen, dass alle verbücherten Rechte natürlich respektiert würden.

In den nächsten Monaten dürfte jedenfalls wieder einmal Bewegung in den Innsbrucker Wohnungsmarkt kommen. Ob die vielen Wohnungssuchenden mit förderungswürdigem Einkommen davon profitieren, ist jedoch fraglich.

Als Skandal bezeichnet der Spitzenkandidat der SP-Gewerkschafter für die AK-Wahl, Stephan Bertel, die Vorgänge um die Buwog-Wohnungen. „Unter Schwarz-Blau 1 wurden sie billig verscherbelt, jetzt wird der so notwendige Wohnraum in Innsbruck von milliardenschweren Investoren für Spekulationen missbraucht. Am Ende muss die Stadt die Wohnungen teuer zurückkaufen. Das ist doch eine Farce.“

Unterstützung für die Gemeinnützigen, die unbedingt günstige Grundstücke für den geförderten Wohnbau benötigen, kommt von der SPÖ. Klubchefin Elisabeth Blanik fordert ein überörtliches Raumordnungsprogramm zur Schaffung von Vorbehaltsflächen, analog zu den Programmen für landwirtschaftliche Vorrangflächen. „Mehr Vorbehaltsflächen bringen mehr bezahlbares Bauland für die gemeinnützigen Wohnbauträger.“ Blanik spricht sich überdies für höhere Dichten aus. „Um die Zahl von jährlich 1250 neue Wohnungen zu steigern, schlagen wir ein Hochhauskonzept im Zentralraum vor.“

Aus der Sicht der NEOS geht das Wohnpaket der schwarz-grünen Landesregierung noch besser: Bei jeder geförderten Wohnung müsse dem Land – im Falle einer Veräußerung – das automatische Vorkaufsrecht eingeräumt werden, verlangen Landtagsklubchef Dominik Oberhofer und Innsbrucks Gemeinde­rätin Julia Seidl. Gleichzeitig müsst­e die jetzt vorgesehene 10-Jahres-­Beschränkung auf Neuwidmungen auch für bereits bestehendes Bauland gelten. Und eine Freizeitwohnsitzabgabe sei notwendig.

ÖVP-Klubchef Jakob Wolf freut sich über die grundsätzliche Unterstützung der NEOS: Die Freizeitwohnsitzabgabe für Gemeinden oder die Widmungsfrist seien schließlich im Wohnpaket enthalten.