Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 30.01.2019


Bezirk Kufstein

Beitritt zum Wasserverband: Countdown für Radfeld läuft

In Radfeld zeichnet sich im Zeichen einer Zwangsverpflichtung ein „Ja, aber“ zum Verband für den Hochwasserschutz ab. 44 Grundbesitzer rüsten jedoch zum Widerstand.

Der Radfelder Gemeinderat muss über den Beitritt zum Wasserverband entscheiden.

© HaunDer Radfelder Gemeinderat muss über den Beitritt zum Wasserverband entscheiden.



Von Wolfgang Otter

Radfeld, Wörgl – Die Stimmung ist angespannt. Nicht nur beim Radfelder Bürgermeister Josef Auer, sondern auch bei 44 Grundbesitzern. Auer steht in der Frage der Gründung des Wasserverbandes für den Bau der Schutzbauten am Inn de ­facto mit dem Rücken zur Wand. Sollte sich Radfeld weiterhin weigern, der Vereinigung beizutreten, dann wird es eine Zwangsverpflichtung geben. Das steht bereits fest. Ende Februar läuft die Frist ab, denn da wird der Wasserverband Unteres Unterinntal aus der Taufe gehoben.

Die denkwürdige Entscheidung fiel noch vor Weihnachten. Die Vertreter der Gemeinden Brixlegg, Kramsach, Breitenbach und Kundl sowie der Städte Wörgl und Rattenberg haben den Beschluss herbeigeführt, notfalls Radfeld in den Verband zu zwingen. Die Gemeinde Angath, die die achte im Wasserverband wäre, hat man ausgeklammert. Auch hier gibt es noch keine Zustimmung zum Beitritt. Im Zweifel würde man sich hier mit einem direkten Vertrag mit einem Grundbesitzer auf eine Retentionsfläche einigen. Diese Flächen sind entlang des Inns notwendig, um sein Wasser im Katastrophenfall zwischenzuparken und zu verhindern, dass der Fluss unkontrolliert über die Ufer tritt.

Um einen Überblick über die Dimension des Projekts zu erhalten, muss man sich nur die nackten Zahlen vor Augen führen: Notwendig sind neben den knapp 290 Hektar Retentionsflächen zwischen Brixlegg und Angath „5,35 km Mauerneubau, 1,22 km Mauer­aufhöhung (einschließlich der Mobil-Elemente) sowie 11,23 km Dämme“, wie es in der Projektbeschreibung heißt. Das Ganze kostet an die 250 Millionen Euro. Bezahlt wird es von Bund, Land und Gemeinden.

Die betreffenden Grundstücke sind den Besitzern zu wertvoll, um einfach unter Wasser gesetzt zu werden. Seit Jahren laufen bereits die Gespräche. Aber in Radfeld und Kundl haben sich 44 Grundbesitzer der Abwehr des Projektes verschrieben. Sie wollen eine Umplanung und schonenderen Umgang mit Grund und Boden, wie der Radfelder Ortsbauernobmann Anton Wiener erzählt. Dazu wurde nun die Wassergenossenschaft Kundl-Radfeld aus der Taufe gehoben. Die entsprechende Gründungsbestätigung der Bezirkshauptmannschaft Kufstein ist aber noch ausständig.

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Wiener und seine Genossenschafter in spe blicken dabei auch flussaufwärts. Von Reith i. A. bis Schwaz ist man gerade dabei, den Wasserverband Mittleres Unterinntal zu gründen. Schwaz hat bereits die Zustimmung zum Verbandsbeitrag gegeben, aber bei einer Gemeinderatssitzung beschlossen, auch die alpine Retention in die Planung miteinzubinden. Dieser Faktor wurde bereits vom Land untersucht. Laut einer Studie bietet er aber für die Inn-Anrainer keinen Schutz. Dem schenken wiederum die Grundbesitzer in Kundl und Radfeld keinen Glauben. Für sie gehört dieser Punkt miteinbezogen, um eventuell den Flächenverbrauch im Inntal bis auf null zu minimieren. Wiener („Wir vereinen 70 Prozent der nötigen Grundstücke“) lässt keinen Zweifel daran, dass man sich gegen die derzeitige Planung wehren wird. Selbst dann, wenn der Radfelder Gemeinderat Ja zum Verbandsbeitrag sagt. BM Auer lässt das derzeit offen. Er wolle nichts vorwegnehmen. Am wahrscheinlichsten ist aber ein Ja mit vielen Bedingungen. Bei einem Nein würden die restlichen Gemeinden einen Antrag an die Wasserrechtsbehörde stellen, sie per Bescheid zur Zwangsehe zu verpflichten. Diesen könnte wiederum die Kommune bekämpfen. Ganz abgesehen davon, dass auch die Grundbesitzer sich juristisch wehren können. Immer mehr zeichnet sich ab, dass die elegante Lösung nicht gelingen will und noch viel Kampf, Krampf und Zwang notwendig sein werden.