Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 01.02.2019


Bezirk Schwaz

Vomper machen gegen Verkehrslärm mobil

Für ein gesundes Leben mit weniger Lärmbelastung durch die Autobahn – dafür wollen Vomper und viele andere Tiroler nun vermehrt kämpfen.

In Vomp diskutierten rund 140 Lärmgeplagte von Langkampfen bis Terfens über mögliche Maßnahmen.

© FankhauserIn Vomp diskutierten rund 140 Lärmgeplagte von Langkampfen bis Terfens über mögliche Maßnahmen.



Von Eva-Maria Fankhauser

Vomp – Am Mittwochabend wurde es laut in Vomp. Es waren aber nicht die Lkw oder Autos, die sonst den Lärmpegel in der Gemeinde hochschnellen lassen, sondern die Bürger. Sie schlagen Alarm. Der Verkehr nimmt weiter zu. Genauso wie der daraus resultierende Lärm. Die Sorge um gesundheitliche Folgen ist groß. Daher hat sich die Bürgerinitiative „Xund’s Vomp“ formiert. Obmann Gerhard Steinlechner forderte mehr Solidarität, denn nicht nur die Vomper sind betroffen, sondern auch viele andere Gemeinden im Inntal.

Rund 140 Zuhörer kamen von Terfens bis Langkampfen zum Diskussionsabend „Lärmschutzoffensive Xund’s Vomp“. Wie wirken sich Tiefenfrequenzen aus? Wie unterscheide sich der Hintergrundlärm vom tatsächlichen Pegel? Experte Peter Lercher bemühte sich, alle Fragen zu erläutern. Manche Themen waren tiefgreifender, andere schnell beantwortet. „Warum ist der Anstieg von 50 auf 60 Dezibel so massiv?“, fragte Reinhard Schwitzer aus Fiecht. Lercher erklärte, dass der Anstieg von zehn Dezibel einer Verdoppelung gleichkomme. „Das ist sehr viel für den Körper. Das führt zu einer Alarmreaktion“, sagte er. Von Herz-Kreislauf-Beschwerden bis hin zur Belastung der Lunge. Denn auch die Abgase seien ein Problem.

Eine Vomperin hatte mit den Tränen zu kämpfen: „Wir müssen atmen und unsere Kinder auch. Wir können uns das nicht aussuchen.“ Sie sorgt sich vor allem wegen der geplanten Ansiedelung der Firma Schenker in Vomp. „Da ist noch nichts fix“, sagte BM Karl-Josef Schubert. Die strategische Umweltprüfung laufe. Sollte diese positiv sein, werde Schenker dort bauen. Sonst nicht.

„Wie kann man die Politik zwingen, dass sie keine weitere Verschlechterung bei Lärm und Luft zulässt?“, fragte der Terfener Robert Ullrich. „Mit genau einer solchen strategischen Umweltprüfung wie bei Schenker“, sagte Schubert.

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Kritik kam von den Vompern wegen des Tanktourismus. „Es ist eine Sauerei. Man müsste zu bestimmten Zeiten das Zufahren zu diesen Tankstellen untersagen“, meinte Fritz Gurgiser vom Transitforum. Laut BM Schubert gebe es eine einfache Lösung: „Wir haben bei der Augasse zur Tankstelle ein Fahrverbot für Lkw. Auch von der anderen Richtung kommend. Wenn die Exekutive das mal kontrollieren würde, hätten wir kein Problem.“

Ein Vomper sagte resigniert: „Wir müssen ja eh alles erdulden. Wir sind nicht Herr unserer eigenen Autobahnen. Die EU sagt, wie’s gemacht wird.“ Gurgiser entgegnete, dass das nicht stimme und die Behörde sich schon darum kümmern müsse – vor allem um den Lärmschutz. Man müsse konsequent dafür kämpfen. „Die Politik und Behörde muss uns spüren. Euch alle“, sagte er.

BM Schubert gibt die Hoffnung für einen flächendeckenden Lärmschutz in Vomp nicht auf. Die Frage nach einer Einhausung der Autobahn sei schnell beantwortet: „Das geht nicht. Das wäre auf dieser Länge dann schon ein Tunnel.“ Lärmschutz scheitere oftmals an der Finanzierung. „Die Asfinag verlangt von der Gemeinde einen großen Beitrag, den wir nicht stemmen können und so passiert nichts. Obwohl die Asfinag einen riesen Jahresüberschuss hätte“, ärgert sich Schubert.

Ein Vomper wollte wissen, wie viele der Anwesenden bereit wären, einen Brief an den Verkehrsminister zu schrei­ben und Maßnahmen zu fordern. Fast alle zeigten ohne zu zögern auf. „Kann man da nicht eine Vorlage an alle weitergeben?“, fragte er. „Automatisierte Briefe liest im Ministerium keiner“, meinte Steinlechner. Er appellierte, durch die Bürgerinitiative etwas zu bewegen und so den Kampf für mehr Lärmschutz voranzutreiben. „Effizienter als ein Brief an den Minister ist jede Woche ein Leserbrief. Nutzt alle Möglichkeiten, die ihr habt“, sagte Gurgiser.