Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 10.02.2019


Exklusiv

Nach Tod eines Buben in Wien: Die Lkw in der Stadt minimieren

Ein Bub ist tot. Er wurde in Wien von einem Lkw übersehen. Eine Petition zu Abbiegeassistenten geht viral. Tirols LR Ingrid Felipe unterstützt das Anliegen und will Lkw in Orten minimieren.

Gedenken an den 9-Jährigen, der vom Lkw erfasst wurde. Der Vater twitterte: „Unser größtes Glück ist uns genommen worden.“ Solche Tragödien sollen verhindert werden, der tote Winkel sichtbar werden.

© APA/GEORG HOCHMUTHGedenken an den 9-Jährigen, der vom Lkw erfasst wurde. Der Vater twitterte: „Unser größtes Glück ist uns genommen worden.“ Solche Tragödien sollen verhindert werden, der tote Winkel sichtbar werden.



Von Alexandra Plank

Innsbruck – „Lastwagen sind bereits mit sechs Spiegeln ausgerüstet“, erklärt Martin Hoffer, Jurist des ÖAMTC. Der Lenker müsse aber auf so viele Dinge achten, dass er mitunter den toten Winkel außer Acht lasse.

Der Tod eines 9-Jährigen vergangene Woche auf dem Schulweg in Wien veranlasste dessen Vater zu einem Appell via Twitter und einer Online-Petition an Verkehrsminister Norbert Hofer. Sie fordert die sofortige und verpflichtende Einführung eines Abbiegeassistenten für Lkw. Die Petition wurde in den ersten Tagen über 30.500-mal unterzeichnet. Auch die Wirtschaftskammer spricht sich indes für Lkw-Nachrüstungen aus. Rund 80.000 Fahrzeuge über 3,5 Tonnen sind in Österreich zugelassen. Jedoch müssten einheitliche Standards für die Sicherheit gelten und in die Straßeninfrastruktur investiert werden, erklärte Alexander Klacska, Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr in der WKÖ der APA. Er rechnet mit Kosten von 65 bis 120 Millionen (max. 3000 Euro pro Fahrzeug). In Deutschland werden bis zu 80 Prozent der Umbaukosten von der öffentlichen Hand übernommen, gedeckelt bei 1500 Euro.

Minister Hofer hat bereits 2017 ein Pilotprojekt gestartet. Es läuft bis Ende April, erste Zwischenergebnisse seien vielversprechend, 15 Busse und Lkw wurden mit einem System mit Rundum-Kameras ausgestattet. Von 2013 bis 2017 ereigneten sich in Tirol mit Lkw-Beteiligung 543 Unfälle, 713 Personen wurden verletzt. In Summe waren 33 Todesopfer zu beklagen. In diesem Vergleichszeitraum hat der Anteil der „Tote-Winkel-Unfälle“ an der Gesamtheit der Unfälle rund 5 Prozent betragen (24 Unfälle, 1 getötete Person 2015), teilt Gottfried Reremoser vom KFV mit.

Bei Lkw-Unfällen zählen Nichteinhaltung des Abstandes und Unfälle im Gegenverkehr zu den Hauptursachen. Tirols Verkehrslandesrätin Ingrid Felipe begrüßt jegliche Maßnahme, „die unsere Straßen für alle Teilnehmer sicherer macht“. Für die legistische und finanzielle Umsetzung einer Lkw-Aufrüstung sei der Bund zuständig. „Neben den Abbiegeassistenten sollten weitere verkehrsplanerische Maßnahmen wie verzögerte Ampelschaltungen oder Geschwindigkeitsreduktionen forciert werden“, so Felipe. Das Ziel sollte lauten, den Lkw-Verkehr im Stadtgebiet zu minimieren. So werde die Sicherheit der Fußgänger und Radler erhöht, die Verkehrsflüssigkeit verbessert.

Auch für Hofer ist Disziplin beim Tempo die Basis, damit auf ausgefeilte Abbiegesysteme reagiert werden kann. Die EU plant die Einführung einer Pflicht zur Nachrüstung mit Abbiegeassistenten für 2022. Hofer ist für sofortiges Handeln. Die Statistik spreche eine klare Sprache. Jeder zehnte getötete Fußgänger war in einen Unfall mit einem Lkw verwickelt. Wobei das nichts über das Verschulden aussage. Fest steht für ihn, dass das Bewusstsein für die Gefahr des toten Winkels bei allen geschärft werden müsse.