Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 21.02.2019


Bezirk Schwaz

Achenseebahn: Weiter Warten auf Weichenstellung

Die Zukunft der Achenseebahn steht noch immer in den Sternen. Das wurde beim TT-Forum in Rotholz deutlich, wo Vergangenes hinterfragt wurde und die Führungsetage viel Kritik einstecken musste.

Bahnvorstand Georg Fuchshuber, Aufsichtsrat Dietmar Wallner, Moderator TT-Chefredakteur Mario Zenhäusern, LHStv. Josef Geisler und Hermann Weratschnig als Experte für nachhaltige Mobilität saßen am Podium.

© Eva-Maria FankhauserBahnvorstand Georg Fuchshuber, Aufsichtsrat Dietmar Wallner, Moderator TT-Chefredakteur Mario Zenhäusern, LHStv. Josef Geisler und Hermann Weratschnig als Experte für nachhaltige Mobilität saßen am Podium.



Von Angela Dähling

Jenbach, Rotholz – Sie war explosiv und so erhitzt wie die Kohle im Heizkessel der dampfenden Achenseebahn – die Stimmung beim TT-Forum am Dienstagabend im Festsaal der Landeslehranstalt Rotholz. Rund 180 Zuhörer waren gekommen, um brennende Fragen loszuwerden oder einfach Dampf abzulassen bei der Diskussion, die unter dem Titel „Die Zukunft der Achenseebahn – Wie sinnvoll wäre eine Elektrifizierung?“ und unter der Leitung von TT-Chefredakteur Mario Zenhäusern geführt wurde. Am Podium standen LHStv. Josef Geisler, Hermann Weratschnig (Bundesverband für nachhaltige Mobiliät), Aufsichtsrat Bürgermeister Dietmar Wallner und Bahnvorstand Georg Fuchshuber Rede und Antwort. Wallner stimmte in die Kritik von Anrainern – darunter Mitglieder des Vereins Achenseebahn (un)erträglich – mit ein: „Es herrscht keine gute Stimmung in Jenbach. Die Einbindung der Bevölkerung und das Ernstnehmen ihrer Anliegen fehlt seitens der Achenseebahn“, kritisierte er. Warum er als Kontrollorgan mit dem gesamten Aufsichtsrat das nicht geändert habe, fragte Chefredakteur Zenhäusern. „Das ist eine berechtigte Frage“, räumte Wallner ein. Diese Diskussion sei im Aufsichtsrat nie auf den Punkt gebracht worden, es sei in erster Linie in den letzten Jahren darum gegangen, den Bestand zu sichern.

Zu einem Schlagabtausch kam es wenig später zwischen Wallner und Fuchshuber, nachdem Alt-BM Wolfgang Holub als Zuhörer fragte, was der Aufsichtsrat dazu sage, mit dem Ankauf der Appenzeller Garnituren zur Elektrifizierung der Bahn gezwungen zu werden. Laut Wallner lasse man rechtlich prüfen, ob der Vorstand mit dem Kauf seine Kompetenzen überschritten habe. „Es gibt keinen Beschluss dazu. Ob es einen braucht, wird sich zeigen“, sagte Wallner. Ob Fuchshuber mit dem Aufsichtsrat über den Kauf gesprochen habe, bevor der den Zug kaufte, fragte Zenhäusern. Wallner: „Ich las erstmals in der Zeitung, dass der Zug gekauft wurde.“ Eine Aussage, die bei Fuchshuber für Empörung sorgte. Er verwies auf monatliche schriftliche Berichte an den Aufsichtsrat. Auch Protokolle von Aufsichtsratssitzungen würden belegen, dass das Gremium informiert worden sei. Der Kauf sei im Einvernehmen mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden und dessen Stellvertreter erfolgt und liege innerhalb der Kriterien seiner Vorstandskompetenzen. Fuchshuber: „Ich habe nichts Verbotenes gemacht, sondern zum Wohl des Unternehmens gehandelt.“ Der anwesende stv. Aufsichtsratsvorsitzende Rudolf Sommerer bestätigte Fuchshubers Aussagen und dass der Ankauf vielfach kolportiert worden sei.

Seitens des Publikums gab es viele kritische Fragen und Feststellungen, aber auch Antworten durch den stv. AR-Vorsitzenden Rudolf Sommerer.
Seitens des Publikums gab es viele kritische Fragen und Feststellungen, aber auch Antworten durch den stv. AR-Vorsitzenden Rudolf Sommerer.
- Fankhauser

Seitens der Zuhörer wurde neuerlich der Ruf nach einer Rauchgaswaschanlage und Funkenfluggittern laut. Beides gebe es laut Vorstand und sei im Einsatz. Die Frage nach den Kosten für die Appenzeller Garnituren ließ er mit Verweis auf Verschwiegenheitspflicht offen. Kolportiert werden 25.000 Euro. Der Zug sei vollelektrisch und funktionstüchtig, die Reifen und Innenausstattung würde man austauschen. Hermann Weratschnig steht hinter einer Elektrifizierung. „Der Bund ist bereit zu zahlen, wenn es ein öffentliches Verkehrsmittel wird. Bis Mitte des Jahres muss die Entscheidung fallen und ein Konzept vorliegen, damit ab 2020 wieder Bundesgelder fließen“, betonte er und fragte: „Was ist eigentlich das Problem mit der Elektrifizierung?“ Ein Anrainer bekräftigte: „Wir wollen keine Kohlebeheizung mehr und wir wollen nicht, dass die Achenseebahn ein öffentliches Nahverkehrsmittel wird.“

Laut LHStv. Josef Geisler sei die Bevölkerungszahl im Einzugsgebiet der Achenseebahn überschaubar, weshalb sich die Frage stelle, wie ausgelastet die Bahn als Öffi wäre. Das Land habe daher eine Studie in Auftrag gegeben, die in drei bis vier Monaten vorliegen werde. Vom Bund gebe es nur Absichtserklärungen, keine Zusagen. Mit dem Zuschuss von 1,2 Mio. Euro durch das Land für dringendste Reparaturarbeiten und Zahlungsverpflichtungen gehe einher, dass die Gemeinden wieder die Aktienmehrheit und mehr Mitsprache erhalten.

Der Festsaal in der LLA Rotholz war Dienstagabend fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Das Interesse der Bürger war groß. Auch BM Josef Hausberger (Eben) und TVB-Obmann Johannes Entner saßen im Publikum.
Der Festsaal in der LLA Rotholz war Dienstagabend fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Das Interesse der Bürger war groß. Auch BM Josef Hausberger (Eben) und TVB-Obmann Johannes Entner saßen im Publikum.
- Fankhauser

15 Mio. Euro seien laut Fuchshuber in die Erneuerung der 130 Jahre alten Gleisanlagen zu stecken – egal, was für ein Zug darauf fahre. Die Touristiker würden den Dampfzug weiterhin wollen, die Bahnführung zusätzlich eine elektrische Bahn im Ganzjahresbetrieb aus wirtschaftlichen Gründen. Die Elektrifizierung bis Pertisau inkl. der genannten Gleisanlagenerneuerung bezifferte Fuchshuber mit 30 Millionen Euro.

Es gab auch das einzelne Lob eines Pendlers.
Es gab auch das einzelne Lob eines Pendlers.
- Fankhauser