Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 25.02.2019


Tirol

Förderspritze für kleine Tiroler Bergbauern und Höfe in Extremlagen

Neues Zwei-Mio.-Euro-Paket des Landes ist auf Kleinstbetriebe in den Bezirken Imst, Landeck und Reutte zugeschnitten. Höfe in Extremlagen sollen gestärkt werden.

Berglandwirtschaft im Bezirk Landeck: Die Nebenerwerbsbauern haben meist nur wenige Kühe, entlegene Wiesen ? hier in Grins ? müssen oft händisch bewirtschaftet werden.

© WenzelBerglandwirtschaft im Bezirk Landeck: Die Nebenerwerbsbauern haben meist nur wenige Kühe, entlegene Wiesen ? hier in Grins ? müssen oft händisch bewirtschaftet werden.



Landeck, Imst, Reutte – Mit dem kürzlich beschlossenen Förderpaket stellt die Landesregierung zwei Mio. Euro zur Verfügung – allein für das Jahr 2019. „Es ist ein Förderprogramm für die Bereiche Tierwohl und Nachhaltigkeit“, erläutert dazu Agrarreferent LHStv. Josef Geisler.

„Der Gesetzgeber macht immer mehr Vorgaben, die unsere Bergbauern nicht unbedingt von heute auf morgen umsetzen können“, sagt Bauernbunddirektor BR Pete­r Raggl aus Schönwies zum Hintergrund des Förderpakets. „Großbetriebe tun sich bei Investitionen leichter. Aber unsere Kleinstbetriebe in extremen Lagen bzw. kleine Almbauern stellen sich die Frage, ob sie wegen der steigenden gesetzlichen Vorgaben noch investieren oder die Stalltüre für immer zusperren sollen.“ Und die Almwirtschaft im Oberland stehe vor der Herausforderung, dass immer weniger Vieh aufgetrieben wird. Oft würden zu wenige Tiere aufgetrieben, was zu einem Kostenproblem führe.

Das Förderprogramm, das tirolweit zur Verfügung steht, sei speziell auf exponierte Höfe in den Bezirken Landeck, Imst und Reutte zugeschnitten. Dort sind, so Raggl, in Summe bis zu 3000 Kleinstbetriebe aktiv. „Wir reden von kleineren bis mittleren baulichen Maßnahmen. Konkret stehen die Mittel zum Beispiel für die Errichtung von Auslaufflächen bei rinderhaltenden Betrieben, für die Umstellung auf Laufstallhaltung oder für Umbauarbeiten in der Almwirtschaft einschließlich Wasserversorgung zur Verfügung.“

„Kleinbetriebe fragen sich, ob sie investieren oder die Stalltüre zusperren sollen. Aber jeder einzelne aktive Betrieb ist wichtig.“

Darüber hinaus sollen Investitionen in den Bereichen Lebensmittelproduktion und Direktvermarktung gefördert werden. „Projekte im Obst-, Gemüse- und Pflanzenbau, die zu einem nachhaltigen Abbau der Umweltbelastung führen, sind ebenfalls förderungswürdig“, weiß der Bauernbundchef. „Viele kleine Maßnahmen, die in Summe viel Positives bewirken können, sind möglich.“ Eine Umbaulösung sollte einen Mindestwert von 5000 Euro haben.

Er hoffe, dass die Fördermittel ausgeschöpft werden. Ansprechpartner zur Abwicklung der Projekte sind, so Raggl, alle Bezirksstellen der Landwirtschaftskammer Tirol. Dort werde Beratung und „unbürokratische Umsetzung“ geboten.

Neben dem Zwei-Mio.-Euro-Paket ist kürzlich auch die neue Abwicklungsrichtlinie des Landes vorgestellt worden. Im Mittelpunkt steht abermals die Absicherung des Tierwohles. Die Unterstützung im Rahmen dieser Richtlinie betrifft Maßnahmen zum Stallumbau und die Anschaffung von Motormähern. Zielgruppe sind abermals Bergbauernbetriebe mit mehr als 180 Erschwernispunkten – in ganz Tirol, speziell jedoch im Bezirk Landeck, wo österreichweit die kleinsten und extremsten Betriebe angesiedelt sind.

Beide Maßnahmenpakete bedeuten, so Raggl, einen Beitrag zur Absicherung der kleinstrukturierten Berglandwirtschaft. Die Gegenleistung der Bauern bestehe in der Produktion von gesunden regionalen Lebensmitteln sowie im Erhalt der Kulturlandschaft bzw. Almen. (hwe)




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