Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 27.02.2019


Bezirk Reutte

Neue HTL im Außerfern startet doch nicht im Herbst

Bei Umstrukturierung würden wohl Handelsschule und technischer Zweig des Gymnasiums geopfert werden.

(Symbolbild)

© Thomas Murauer(Symbolbild)



Von Helmut Mittermayr

Reutte, Innsbruck, Wien – An die 25 Außerferner Schüler und Schülerinnen müssen für heurigen Herbst umplanen. Sie werden keine Ausbildung an einer HTL im Bezirk Reutte beginnen können. Der Start der HTL für Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Betriebsinformatik für das Schuljahr 2019/20 wurde vom Bildungsministerium in Wien nicht genehmigt. Fragen seien noch offen, heißt es knapp. Alle Schulen in der Region West (Reutte, Imst, Landeck) wurden bereits schriftlich davon in Kenntnis gesetzt. Die HTL wäre an der Handelsakademie in Reutte angesiedelt gewesen, wo Direktor Werner Hohenrainer für das Gesamtkonzept zum Neustart verantwortlich zeichnet.

Landesrätin Beate Palfrader, Präsidentin der Bildungsdirektion Tirol, erklärt auf TT-Anfrage, dass sie auch gerne wüsste, warum der Start nicht möglich ist. „Wir haben beim Bildungsministerium natürlich auf eine Entscheidung gedrängt, da sich die Schüler zum Frühjahrssemesterstart ja für den Herbst entsprechend anmelden müssen. Die Antwort aus Wien war ein knapper Zweizeiler ohne nähere Information.“ Palfrader vermutet, dass eine Unsicherheit darin gelegen haben könnte, ob genügend qualifiziertes Lehrpersonal gefunden werden könne. Schließlich könnten nicht einfach Berufsschullehrer eingesetzt werden. Direktor Hohenrainer sieht hier aber kein großes Problem. Denn bei Plansee und den E-Werken gebe es genügend Fachkräfte in den IT-Abteilungen, deren pädagogische Qualifikation nachjustiert werden könnte. Plansee spielt überhaupt eine sehr große Rolle im Konzept und würde auch seine Werkstätten zur Verfügung stellen, was die Kosten zum Start erheblich senken würde. Denn eine teure Vollausstattung für eine neue HTL würde wohl alles zum Kippen bringen, weiß Hohenrainer. Reuttes Wirtschaftskammerstellenleiter Wolfgang Winkler spricht überhaupt davon, dass durch das Entgegenkommen Plansees eine HTL in Österreich wohl noch nie so günstig implementiert werden könnte.

„Wir haben unsere Hausaufgaben jedenfalls gemacht und könnten starten. Ich gehe davon aus, dass dies nächstes Jahr dann auch passieren wird“, sagt Beate Palfrader. Sehr verärgert über den Nicht-Start soll Landeshauptmann Günther Platter sein, der sich persönlich für die Errichtung der HTL im Außerfern starkgemacht hatte. Paul Gappmaier, Direktor der Bildungsdirektion weiß, dass es zwischen LH Platter und dem zuständigen Minister aber ein „politisches Commitment dazu gibt“. Für Gappmaier ist die Installierung der HTL deshalb prinzipiell nicht mehr in Frage gestellt. Nur der Zeitpunkt sei offen, ein Start im Herbst 2020/21 mehr als wahrscheinlich. „Die großen Dinge“ sind für Gappmaier jedenfalls geklärt. „Ich vermute auch, dass offene Fragen die Lehrkräfte betreffen könnten. Wir warten auf das Schreiben des Ministeriums, was es noch zu erheben gilt. Das Konzept ist sehr gut und schlüssig“, so der Chef der Tiroler Schulbehörden.

Für Wolfgang Winkler, Stimme der Wirtschaft im Außerfern, die das Schulprojekt herbeisehnt, drängt die Zeit auch bei einem Start 2020/21. „Ich räume gerne ein, dass der heurige Herbst vielleicht zu sportlich angesetzt war. Was wir aber schnell brauchen, ist Planungssicherheit – und deshalb schnell eine definitive Entscheidung des Ministeriums.“ Für 14-Jährige stelle sich sowieso die „Was-nun-Frage“. Eltern wie Schülern müsse ein Vorlauf beim Nachdenken möglich sein.

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Für den Start der HTL wird mit 25 Schülern gerechnet. Rund 30 Außerferner würden jedes Jahr in eine HTL nach „Innertirol“, wie es Winkler nennt, gehen. Zehn davon würden wohl im Bezirk Reutte bleiben. Alle wären sicher nicht zu halten, nicht jeder wolle schließlich ein IT’ler werden. Weitere zehn Schüler werden vom bisherigen technischen Zweig des Gymnasiums hochgerechnet, der dann eingestellt würde; wie auch die Handelsschule schließen würde, um Werteinheiten für die HTL freizubekommen. Auch aus dem Allgäu werden Schüler erwartet.