Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.03.2019


Bezirk Landeck

270 Strenger unterschrieben gegen Bodenaushubdeponie

Deponiewerber beantragte 12.000 m² Fläche. Wegen heftigen Widerstands im Dorf zog er den Antrag noch in der Gemeinderatssitzung zurück.

Diese Bodenaushubdeponie bei Strengen wird weiterhin mit Geschiebe aus der Schnanner Mure befüllt.

© WenzelDiese Bodenaushubdeponie bei Strengen wird weiterhin mit Geschiebe aus der Schnanner Mure befüllt.



Von Helmut Wenzel

Strengen – Laut Tagesordnung sollte der Strenger Gemeinderat am Freitag über einen politisch heiklen Antrag beraten: Thomas Siegl, Betreiber einer Erdbau-Firma in Strengen, hatte um Genehmigung einer 12.000 m² großen Bodenaushubdeponie angesucht. Doch zur Abstimmung kam es nicht mehr. Weil der Unternehmer sein Ansuchen nach einer Debatte, in der auch Anrainer mitreden durften, zurückgezogen hatte, wie er im TT-Gespräch am Montag einräumte. Bürgermeister Harald Siess bestätigte den etwas unerwarteten Verlauf der Gemeinderatssitzung. Und über den möglichen Ausgang einer Abstimmung möchte er nicht spekulieren.

„Ich habe gesehen, dass das Vorhaben massiv abgelehnt wird. Zudem sind Protestunterschriften gesammelt worden“, schilderte Siegl. „Deponie ist leider ein Reizwort. Dabei haben die Unterschriftensammler kaum Infos gehabt, etwa über den genauen Standort, Nutzungsdauer und behördliche Auflagen.“

Die „Medaille“ der Deponiegegner habe für ihn auf jeden Fall eine Kehrseite: „Für uns gibt es im ganzen Stanzertal keine Deponiemöglichkeit. Das bedeutet lange Wege zur nächstgelegenen Deponie und daher auch Umweltbelastung. Zudem wird die Entsorgung von Bodenaushub und Bauschutt teurer.“ Was für den Firmenchef nicht nachvollziehbar ist: „Vorausgesetzt, die Mandatare hätten zugestimmt und die Behörde uns die Deponiefläche genehmigt, dann könnte die Gemeinde ihre Kasse mit bis zu 250.000 Euro aufbessern.“

Die Betreiber der Unterschriftenaktion zeigen sich „von der großen Resonanz“ in der Bevölkerung überrascht. „270 Leute (von 900 Wahlberechtigten, Anm.) haben in kurzer Zeit unterschrieben“, schilderte Egon Ladner. „Wir haben die Unterschriftenlisten am Freitagvormittag beim Gemeindeamt abgegeben.“ Den Rückzug des Deponiewerbers könne er nur begrüßen. „Wir haben ja schon zwei Deponien im Gemeindegebiet. Es müssen nicht schon wieder Bäume geschlägert und Natur geopfert werden.“ Wanderwege wie der Jakobsweg würden ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen.

Als das Land nach der Mure in Schnann ein Deponie-Volumen von 500.000 Kubikmetern im Strenger Wald für Notfälle und Katastrophen bewilligte, habe sich die Gemeinde Strengen davon 83.000 Kubikmeter für den Eigenbedarf sichern können. Damit finde die Gemeinde längerfristig das Auslagen. Die beiden Großdeponien würden heuer weiterhin mit Geschiebe aus der Schnanner Mure befüllt.

Der private Deponiewerber Siegl habe um zusätzliche Flächen angesucht. „Dem Gemeinderat war klar, dass es um ein sensibles Thema geht“, sagte Siess.