Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 13.03.2019


Bezirk Kufstein

Kilometerlange Staus: Euregio Inntal für offene Grenzbalken

Tirolerisch-bayerische Gemeindekooperation fordert deutschen Innenminister auf, Kontrollen im Hinterland durchführen zu lassen.

An der Autobahngrenze in Kufstein-Kiefersfelden wird seit Jahren kontrolliert.

© OtterAn der Autobahngrenze in Kufstein-Kiefersfelden wird seit Jahren kontrolliert.



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Kilometerlange Rückstaus Richtung Kufstein auf der Autobahn vor der Grenzkontrolle in Kiefersfelden, das gleiche Bild auf der Eibergstraße in Richtung Autobahnzubringer Kufstein-Süd und vor der Stadteinfahrt auf der Salurnerstraße. Jeder Urlauberschichtwechsel wird für die Autofahrer zur Geduldsprobe. Die Staus zeigen auch Auswirkungen auf die Innenstadtkaufleute. Statt im Stau zu stehen, meiden vermehrt Kunden aus Richtung Wörgl bzw. dem Söllandl die Einkaufsstadt. Das bestätigt auch Thomas Ebner von der Stadtmarketing-Gesellschaft, der von den Kaufleuten Informationen über Kundenverluste an Stautagen erhalten habe. Nicht dramatisieren will der Geschäftsmann Markus Achorner, Obmann der Kufsteiner Kaufmannschaft, die Situation. Sie werde oft schlimmer dargestellt, als sie sei. Aber „wir haben natürlich auch keine Freude mit den Staus“. Und er bestätigt, dass es gerade an klassischen Urlaubsrückreisetagen im Winter auch in den Geschäften spürbar weniger Kunden gebe.

Neben dem allgemein höheren Verkehrsaufkommen wurden neben der Vignettenpflicht auch die Grenzkontrollen als Grund für zunehmenden Ausweichverkehr durch die Stadt festgehalten.

Die Grenzkontrollen sind auch der Euregio Inntal ein Dorn im Auge. Im Verein sind 66 Gemeinden der Tiroler Bezirke Kufstein und Kitzbühel sowie der Landkreise Rosenheim, Traunstein und Stadt Rosenheim zusammengeschlossen. Präsident Walter J. Mayr wandte sich im Namen der Euregio an den deutschen Innenminister Horst Seehofer und erinnert ihn an eine im Vorjahr verfasste Resolution. In dieser wird auch die Einstellung der Grenzkontrollen verlangt. Diese sollten an einer Schengen-Binnengrenze keine Dauereinrichtung sein, betont Mayr. „Die Migrationszahlen sind stark rückläufig, wie die Mitarbeiterzahlen der Flüchtlingsorganisationen dies- und jenseits der Grenze zeigen. Flüchtlingsquartiere werden laufend aufgelassen“, erinnert Mayr an die sich entspannende Situation. „Wir (die Euregio, Anm.) halten daher eine neuerliche Verlängerung der Kontrollen an unserer Schengen-Binnengrenze für nicht mehr notwendig, sondern empfinden sie als große Belastung für Umwelt und Wirtschaft“, schreibt Mayr. Die Euregio schlägt stattdessen vor, eine internationale Polizeitruppe im Hinterland kontrollieren zu lassen.

Vorerst will Deutschland sie noch bis Mai aufrechterhalten, wie es danach weitergeht, ist offen. Die Stimmung ist aber für Verlängerung.