Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.03.2019


Bezirk Schwaz

Ehemalige Buwog-Wohnungen in Schwaz: Mieter fürchten Spekulation

Die ehemaligen Buwog-Wohnungen in Schwaz stehen teils seit Jahren leer. Die verbliebenen Mieter haben das Gefühl, man wolle sie raushaben. Eigentümer JP weicht aus.

Was mit den Ex-Buwog-Wohnungen in Schwaz passiert, lässt der Eigentümer noch immer offen.

© FankhauserWas mit den Ex-Buwog-Wohnungen in Schwaz passiert, lässt der Eigentümer noch immer offen.



Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Sie fühlen sich zunehmend unwohl in ihrer Wohnung. Immer wieder würden Interessenten ums Haus gehen und das Gebäude begutachten. Das Gefühl, nicht mehr willkommen zu sein, wächst. Und das, obwohl die Mieter in der Hermann-von-Gilm-Straße in Schwaz unter Mieterschutz stehen – sprich sie können nicht einfach so rausgeworfen werden. Doch genau davor haben sie Angst.

Seit teils 25 Jahren leben die Mieter in den ehemaligen Buwog-Wohnungen im Herzen von Schwaz. In den beiden Gebäuden sind jeweils vier Wohnungen untergebracht. Mittlerweile steht etwa die Hälfte leer – und das teils seit zwei Jahren. Bei den verbliebenen Mietern macht sich die Sorge breit, dass der Eigentümer sie raushaben will. „Überall suchen die Leute Wohnungen und hier stehen sie einfach leer. Die beiden Gebäude können nur als Gesamtpaket verkauft werden. Und wenn niemand mehr drinnen wohnt, sind sie wohl mehr wert“, meint einer der Bewohner. Dass die frei gewordenen Wohnungen nicht mehr nachbesetzt werden, verunsichere einige Mieter. Immer wieder komme es zu kleinen Unannehmlichkeiten, die man ihnen im Wohnhaus bereite. „Plötzlich flatterte ein Brief ins Haus, dass wir im Luftschutzkeller, wo wir Holz lagern, alles wegräumen müssen, damit der Fluchtweg frei sei“, ärgert sich einer der Bewohner.

Die Mieter wollen sich aber nicht verunsichern lassen und vor allem wollen sie bleiben. Man habe teils viel Geld investiert in diverse Sanierungsarbeiten (Zentralheizung, neue Fenster etc.) und man wolle nach vielen Jahren nicht plötzlich vor die Tür gesetzt werden.

Eigentümer ist seit Ende 2016 der Luxemburger Immobilieninvestor Jargonnant Partners (JP). Auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung erklärte JP schriftlich, dass man aktuell dabei sei, die Lage in Schwaz zu evaluieren und Konzepte für die „inzwischen leer gewordenen und stark renovierungsbedürftigen Einheiten bzw. die gesamte Liegenschaft“ zu erarbeiten. Auf die Frage, warum die Wohnungen schon so lange leerstehen, obwohl Wohnraum in Schwaz begehrt ist, und ob man mit dem Leerstand auf einen besseren Preis am Markt spekuliere, antwortete JP nur: „An einem langfristigen Leerstand haben wir kein Interesse.“ Das Unternehmen kaufte 2016 nicht nur die Schwazer Ex-Buwog-Wohnungen, sondern tirolweit ein ganzes Wohnungspaket. Man habe laut JP dieses Portfolio mit einer mittel- bis langfristigen Investmentperspektive erworben. Daran habe sich nichts geändert. „Nichts geändert hat sich auch am rechtlichen Status unserer Mieter, den wir selbstverständlich respektieren“, heißt es im Schreiben.

Das will BM Hans Lintner auch hoffen. Er verstehe die Sorgen der Mieter. Die Stadt habe JP auch angeboten, die Wohnungen zu kaufen. „Damit die Bewohner eine gesicherte Wohnung und keinen anonymen Vermieter, sondern ein Gesicht dazu haben“, sagt Lintner. Im Vorjahr habe es dazu Gespräche gegeben. „Aber das Angebot ist derzeit nicht akzeptabel“, sagt Lintner. Die preislichen Vorstellungen lägen sehr weit voneinander entfernt. Die Stadt sei aber weiterhin gesprächsbereit und wolle sich für die Mieter einsetzen. Aber der Preis müsse mit dem sozialen Ziel der Wohnungen übereinstimmen. „Wir wissen, dass sich die Mieter sorgen, aber sie können auf uns zählen. Wir stehen hinter ihnen und bleiben dran“, sagt Lintner.