Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.03.2019


Landespolitik

E-Scooter rollen auf Tirol zu, Stadt will Spielregeln

Verkehrsstadträtin Uschi Schwarzl möchte für Anbieter der Fahrzeuge Richtlinien ausarbeiten. Hunderte Scooter könnten aufgestellt werden.

In einigen Städten gehören die Elektroroller, verliehen durch internationale Konzerne, bereits zum Stadtbild. Auch in Innsbruck stehen die Anbieter mittlerweile Schlange.

© dpaIn einigen Städten gehören die Elektroroller, verliehen durch internationale Konzerne, bereits zum Stadtbild. Auch in Innsbruck stehen die Anbieter mittlerweile Schlange.



Von Marco Witting

Innsbruck – Mode­erscheinung oder Mobilität der Zukunft? Ganz sicher ist man sich auch international noch nicht, wohin die Reise für die E-Scooter geht. Doch in amerikanischen Innenstädten gehören die elektrifizierten Roller seit Monaten fix zum Straßenbild – wie mittlerweile auch in Wien. In Linz startete vor wenigen Tagen der erste kommerzielle Anbieter. Und auch in Innsbruck drängen die Unternehmen, die ein entsprechendes Verleihsystem anbieten wollen, auf den Markt. Insgesamt sechs derartige Firmen, darunter auch Anbieter, die bereits in Wien aktiv sind, sind an die Stadt herangetreten. Verkehrsstadträtin Uschi Schwarzl will deshalb rasch Spielregeln aufstellen, um einem Wildwuchs vorzubeugen.

Das System der Anbieter ist recht einfach, aber nicht ganz billig. An neuralgischen Punkten in der Stadt werden die Roller morgens platziert. Nutzer können sich über eine Handyapplikation dann registrieren, für die Anmeldung ist eine Kreditkarte nötig. Leiht man sich einen Roller aus, bezahlt man eine Grundgebühr (teilweise einen Euro), für jede weitere Minute oder gefahrenen Kilometer ist dann noch zu zahlen. Abstellen kann der Nutzer den E-Scooter überall im gesamten Geschäftsgebiet. Am Abend werden die nämlich dann dank GPS-Sender aufgespürt und wieder eingesammelt.

In Innsbruck geht man davon aus, dass mehrere hundert Scooter aufgestellt werden. Das massive Interesse der Unternehmen belegt wohl auch, dass die Landeshauptstadt als durchaus lukrativer Markt dafür angesehen wird. Und: Die Firmen zeigen sich gegenüber der Stadt kooperativ und gesprächsbereit – obwohl sie auch einfach ihre Roller aufstellen könnten. Dies wollen Schwarzl und ihr Büro jetzt nutzen.

„Die Anbieter stehen vor unserer Tür und wir wollen vor allem die Sicherheit im Straßenverkehr garantieren“, sagt Schwarzl, die ein „Chao­s“ vermeiden möchte, weil es eben keine Regeln gibt. „Wir wollen nicht warten, bis die Unternehmen schon da sind, und dann schauen, was zu tun ist.“ Deshalb soll etwa festgelegt werden, wo die Scooter nicht fahren dürfen – etwa in Parkanlagen, der Maria-Theresien-Straße oder der Altstadt. Zudem könnte die Stadt gemeinsam mit den Betreibern die Betriebszeiten und Abstellplätze festlegen. Auch möglich: Die Stadt legt Zonen fest, in denen das Tempo der Scooter auf Schrittgeschwindigkeit reduziert werden kann. Das macht die Technologie nämlich automatisch möglich. Bis zu 25 km/h schnell sind die Fahrzeuge. „Das ist für Städt­e alles Neuland. Wir wollen das aber jetzt angehen“, sagt Schwarzl, die bis Ende März den Maßnahmenkatalog beisammenhaben möchte. Die Verkehrsstadträtin sieht übrigens keine Konkurrenz durch die Scooter für das Stadtrad. Und in den elektrischen Rollern auch keine Sparte für die IVB, die ja das Stadtrad betreiben. „Es wird sich auch zeigen, in welche Richtung sich die Mobilität entwickelt. Ich glaube durchaus, dass die Scooter eine Alternative zum Auto sein könnten.“