Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 15.03.2019


Innsbruck

Über 900 Unterschriften gegen privates Bauprojekt in Hötting

Die Kontroverse um den Wohnbau in der Höttinger Schulgasse erreicht den Gemeinderat. Der Bauwerber sieht „teilweise Falschinformationen“.

Für das „Generationenwohnhaus“ in der Höttinger Schulgasse wurden nun doch Visualisierungen erarbeitet. Im Bild das bestehende Haus.

© Reitter ArchitektenFür das „Generationenwohnhaus“ in der Höttinger Schulgasse wurden nun doch Visualisierungen erarbeitet. Im Bild das bestehende Haus.



Innsbruck – Ein privates „Generationenwohnhaus“, das in der Höttinger Schulgasse an die Stelle eines Bestandsgebäudes treten soll, lässt weiter die Wogen hochgehen. Bauwerber sind Architekt Helmut Reitter und die ehemalige SPÖ-Stadträtin Marie-Luise Pokorny-Reitter. Anrainer befürchten, wie berichtet, massive Auswirkungen auf das Ortsbild rund um die Alte Höttinger Pfarrkirche, auf Sichtachsen und den Charakter des Platzes vor der Kirche.

Binnen Kurzem haben sie 914 Unterschriften gegen das Projekt in dieser Form gesammelt, weitere Listen sind im Umlauf. „Ein deutliches Signal der Bevölkerung“, meint Initiator Kurt Habitzel. Der Neubau „mit 4,8-facher Kubatur gegenüber dem Bestand“ dürfe kein „Referenzbau für Hötting“ werden, warnt er, die Stadtpolitik solle sich das Projekt nochmals anschauen. Die Unterschriften wurden bereits an BM Georg Willi übergeben, sie werden als Petition an den Gemeinderat behandelt. Die Initiatoren deponierten bei der Übergabe weitere Forderungen: So brauche es für den Stadtteil Hötting „endlich einen Bebauungsplan mit klaren Vorgaben“. Zudem solle Willi beim Land eine Novellierung des Stadt- und Ortsbildschutzgesetzes (SOG) anstoßen: Vor allem sei die Besetzung des SOG-Sachverständigenbeirates zu „architektenlastig“.

Wie Bauwerber Helmut Reitter betont, wird der Neubau auf der Nordseite zweigeschoßig, auf der Talseite viergeschoßig.
Wie Bauwerber Helmut Reitter betont, wird der Neubau auf der Nordseite zweigeschoßig, auf der Talseite viergeschoßig.
- Reitter Architekten

In eine ganz ähnliche Richtung geht eine dringende Anfrage der Liste FPÖ – Rudi Federspiel, die im Gemeinderat am 28. März behandelt werden soll. „Wir haben Anrainern die Möglichkeit gegeben, ihre Fragen dort einfließen zu lassen“, erklärt dazu Klubobmann-Stv. Maximilian Kurz. „Wir appellieren bei den Bauwerbern vor allem an die Moral, rechtlich sind uns eher die Hände gebunden.“ Habitzel will den Baubescheid abwarten, man behalte sich „weitere rechtliche Schritte“ vor.

„Ich bin mir der Verantwortung, die wir an diesem Platz haben, bewusst“, betont Bauwerber Helmut Reitter. „Und ich bin überzeugt, dass das Projekt am Ende ein Gewinn für Hötting sein wird.“

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Er glaube, dass „90 Prozent der Unterschriften aufgrund von irreführenden Informationen“ erfolgt seien. So sei eine Kernbotschaft der Kritiker, dass „ein vierstöckiges Haus südlich der Kirche“ entstehe. Dies sei einfach nicht korrekt: „Direkt vor der Kirche passiert gar nichts“, das Haus liege vielmehr südwestlich und unterhalb der Kirche. Nach oben, zum Platz hin, sei der – in den Hang integrierte – Bau nur zweigeschoßig, talseitig viergeschoßig. In dieser Höhe sei das Gebäude einzig von einem schmalen Durchblick aus sichtbar. Die derzeitige Aluminiumfassade Richtung Norden werde zudem durch eine verputzte Fassade mit Fensterläden aus Holz ersetzt, die sich „besser einfügt“.

Zwar werde der Neubau um ca. ein Geschoß höher und doppelt so breit wie der Bestand. Aber es gebe in der direkten Umgebung mehrere Häuser mit vergleichbaren Volumina. Und: „Unsere Nordseite ist niedriger als die platzbegrenzenden Häuser.“ Der angrenzende Platz werde durch den Neubau optisch sogar „deutlicher gefasst“.

Der Rundblick vom unmittelbaren Kirchenvorplatz aus werde nicht „zerstört“, so Reitter weiter, nur etwas eingeschränkt, der Blick aus der Steinbruchstraße kaum beeinträchtigt. Eine Beschattung des angrenzenden Spielplatzes finde definitiv nicht statt, da dieser ja südöstlich liege. Nur der nördliche Teil des Parks werde am Nachmittag teilweise beschattet.

Reitters Fazit: „Das Projekt wurde über ein ganzes Jahr geprüft, der SOG-Beirat sieben- oder achtmal damit befasst, die Stadtplanung zweimal.“ Das Projekt sei in diesem Zuge gegenüber einem früheren Entwurf auch verkleinert worden. Von einem „Durchmarsch“ könne also absolut keine Rede sein. (md)