Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 16.03.2019


Bezirk Reutte

Bahnverbindung Ehrwald-Inntal: Pfurtscheller steigt auf die Euphoriebremse

Die Machbarkeitsstudie über eine direkte Bahnverbindung Ehrwald – Inntal polarisiert. Für NR Elisabeth Pfurtscheller ist das Projekt utopisch.

© TscholDie Machbarkeitsstudie über eine direkte Bahnverbindung Ehrwald – Inntal polarisiert. Für NR Elisabeth Pfurtscheller ist das Projekt utopisch.



„Ich weiß, dass derjenige, der auf die Euphorie­bremse steigt und Realpolitik macht, sich meist nicht sonderlich beliebt macht. Trotzdem muss ich rund um die präsentierte Bahn­studie einiges ins recht­e Licht rücken. Vor allem auch in Hinblick auf all jene, die den verkehrsgeplagten Menschen einen Bahntunnel nun plötzlich als die Lösung aller Verkehrsprobleme verkaufen wollen und damit Hoffnungen schüren, die sie nicht erfüllen können", verpasst VP-Nationalrätin Elisabeth Pfurtscheller dem rot-grünen Jubel (die TT berichtete) eine­n Dämpfer.

Die Bahnstudie habe lediglich die theoretische Machbarkeit eines Bahntunnels vom Außerfern in den Zentral­raum erhoben. Die große Euphorie, die nun verbreitet werde, könne sie angesichts der Rahmenbedingungen nicht teilen. „Die geschätzten Nettobaukosten von 1,5 bis 2,4 Milliarden Euro — je nach Variante — übersteigen alles bisher Dagewesene. Selbst zusammengerechnet kosten der Fernpassscheitel- und der Tschirganttunnel mit 450 Millionen nur einen Bruchteil davon", zeigt Pfurtscheller die finanzielle Dimension auf.

Angesichts der fehlenden Einbindung in eine der großen Nord-Süd-Routen des Transeuropäischen Bahnnetzes ist für Pfurtscheller auch die in den Raum gestellte Mitfinanzierung durch die EU unrealistisch: „Die Deutsche Bahn kann sich nicht einmal zu einer Elektrifizierung der Anbindung von der Grenz­e bei Vils bis nach Kempten durchringen. In den Raum zu stellen, dass die EU hier als Finanzier einspringen könnte, halte ich für unseriös", meint die Nationalratsabgeordnet­e, und weiter: „Ich möchte kein Spielverderber sein, aber ich habe einfach ein Problem damit, wenn man den Menschen mit Luftschlössern Hoffnungen macht." Dass begleitend zu geplanten straßenbaulichen Projekten weitere Maßnahmen geprüft werden, sei völlig in Ordnung. „Aber so zu tun, als hätte man mit der Bahnstudie nun den Stein der Weisen gefunden, ist nicht okay. Ein Projekt in dieser Dimension hat eine Vorlaufzeit von mindestens 40 Jahren. Die Bürger brauchen aber eine rasche Lösung", so Pfurtscheller. (TT, fasi)