Letztes Update am Sa, 16.03.2019 07:05

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

28 Mio. Euro zu wenig: Bund soll mehr für Kliniken zahlen

Platter und Faßmann stehen vor intensiven Verhandlungen über die Infrastruktur-Abgeltung der Medizin-Uni für die Klinik.

Beim Geld zählt die Parteifarbe nicht: LH Günther Platter will mit Minister Heinz Faßmann aber auf Augenhöhe und ohne Muskelspiel verhandeln.

© angererBeim Geld zählt die Parteifarbe nicht: LH Günther Platter will mit Minister Heinz Faßmann aber auf Augenhöhe und ohne Muskelspiel verhandeln.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Ein internes Papier des Landes zur finanziellen Situation am Landeskrankenhaus Innsbruck/Universitätsklinik birgt finanziellen Sprengstoff. Im Vorjahr hat das Herzstück der Tirol Kliniken Verluste von 46,1 Mio. Euro geschrieben. Als eine der Ursachen wird von Experten das Einfrieren des Klinischen Mehraufwandes (KMA) genannt. 65 Mio. Euro erhalten die Tirol Kliniken jährlich von der Medizinischen Universität Innsbruck, also vom Bund, als Infrastrukturabgeltung für Lehre und Forschung.

Bis 2007 erfolgte eine automatisierte Erhöhung, seither gibt es „nur“ noch einen politisch ausverhandelten Pauschalbetrag. Auf Basis des 1952 abgeschlossenen Vertrags bedeutet das auf Preisbasis 2018 für die Spitalsholding Tirol Kliniken jedoch Mindererlöse von 27,5 Millionen Euro. Zugleich erfolgte in den vergangenen Jahren eine merkliche Verschiebung des ärztlichen Personals zulasten des Landes. Weniger Bundesärzte müssen durch mehr Spitalsmediziner des Landes kompensiert werden. Das Missverhältnis beträgt derzeit 53:47.

Im nächsten Jahr läuft die Pauschalvereinbarung zum KMA aus, im Gespräch mit seinem Parteikollegen Bildungs- und Wissenschaftsminister Heinz Faßmann machte LH Günther Platter (ÖVP) am Freitag klar, dass sich Tirol mehr Geld vom Bund erwarte. „Es werden harte Gespräche, aber keine mit der Brechstange“, kündigt Platter an. Faßmann möchte die Situation in den nächsten Monaten einmal analysieren, eine Bevorzugung des Allgemeinen Krankenhauses in Wien, wo der Bund für die gesamten Ärztegehälter aufkommt, will Faßmann jedoch nicht erkennen. Ein gewichtiges Wort wird hier nicht nur der Wissenschafts-, sondern auch der Finanzminister mitreden. Was die Klinikfinanzierung betrifft, dürfte es durchaus spannend werden. Wohl auch in der Landeshauptstadt Innsbruck.

Wie andere Gemeinden zahlt Innsbruck in den Tiroler Gesundheitsfonds ein, beteiligt sich aber nicht an der Abgangsfinanzierung an der Klinik. 30 Mio. Euro gehen in den Fonds. Im Vergleich dazu kommen die Gemeinden des Bezirkes Kufstein für 17,2 Mio. Euro an den Gesundheitsfonds auf und noch einmal für 7,2 Millionen Euro an Bezirkskrankenhaus-Umlage für das hiesige Spital. Der Bezirk Kitzbühel muss zwölf Millionen Euro für St. Johann berappen, Schwaz 16,2 Millionen und der Bezirk Lienz 10,6 Millionen Euro. Zuletzt kritisierte vor allem die SPÖ die Ungleichbehandlung der Gemeinden in der Tiroler Spitalsfinanzierung.