Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 23.03.2019


Landespolitik

Kritik in Tiroler SPÖ wächst: „Dornauer muss jetzt die Kurve kriegen“

Das Stammtischduell mit „meinem Freund Walter Meischberger“ am Mittwoch in Kematen hat für SPÖ-Parteichef Georg Dornauer ein Nachspiel im Parteivorstand. Wieder einmal, denn intern gärt es.

Georg Dornauer will noch keine Kritik vernommen haben.

© Foto TT / Rudy De MoorGeorg Dornauer will noch keine Kritik vernommen haben.



Innsbruck – Die öffentlich auf Facebook zur Schau gestellte Freundschaft zwischen dem Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer und Walter Meischberger („Mein Freund“), dem früheren FPÖ-Parteimanager und Angeklagten im Buwog-Prozess, kommt in der Tiroler SPÖ gar nicht gut an. Und führt zur nächsten Aussprache mit dem Neo-Parteiobmann im Parteivorstand. Für SPÖ-Klubobfrau Elisabeth Blanik ist es „höchst unprofessionell“, der scheidende Innsbrucker Stadtparteiobmann Helmut Buchacher findet es schade, „weil Dornauer ein politisches Talent ist und offen auf die Menschen zugehen kann“. Dornauer hat sein Posting zwischenzeitlich wieder gelöscht.

Elisabeth Blanik spricht von einem fatalen Signal.
Elisabeth Blanik spricht von einem fatalen Signal.
- Thomas Boehm / TT

Blanik bezeichnet das Sig- nal als fatal, „weil Meischberger sicher kein öffentlicher Freund sein kann. Er steht für ein System, das wir bekämpfen.“ Ihn hätten Funktionäre und Pensionisten-Vertreter angerufen, weil sie das nicht glauben konnten, sagt Buchacher. „Da prangern wir die seinerzeitige Privatisierung und den Verkauf der Buwog-Wohnungen mit den fatalen Auswirkungen an und jetzt das.“ Dornauer sei schlicht in einen Fettnapf getreten. „Aber er sollte sich längst bewusst sein, dass er Chef der Tiroler SPÖ ist“, appelliert Buchacher. Da­rüber werde man sicher im Parteivorstand reden, „denn Dornauer muss endlich die Kurve kriegen“.

Buchacher: „Er muss sich bewusst sein, dass er Parteichef ist.
Buchacher: „Er muss sich bewusst sein, dass er Parteichef ist.
- Thomas Boehm / TT
Drozda will die Sache eigentlich nicht kommentieren.
Drozda will die Sache eigentlich nicht kommentieren.
- APA

Nach diversen Kalamitäten in den vergangenen Monaten wird sich der Neo-SPÖ-Chef am Montag wohl erneut erklären und sich mit jener Kritik auseinandersetzen müssen, die er bis Freitag zur Causa Meischberger nicht gehört haben will.

Zurückhaltend gibt sich die Bundes-SPÖ: SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda will dazu eigentlich überhaupt nichts sagen. Die Sache nur nicht weiter zu befeuern, könnte hier als Devise dienen. Sagen wollte Drozda nur so viel: „Es ist bemerkenswert, wenn Meischberger trotz seines Prozesses Zeit für solche Stammtischduelle findet. Nach unseren Informationen hat Dornauer das Duell mit Meischberger aber klar gewonnen.“

Für ÖVP-Klubchef Jakob Wolf gibt Dornauer mit dieser Aktion „sicher kein ideales Bild ab, aber das ist eine interne Angelegenheit der SPÖ“. Schon deutlicher wird der grüne Klubobmann Gebi Mair. Dass sich ein sozial­demokratischer Länderchef ausgerechnet mit Walter Meischberger verbrüdere, der Dauergast auf der Anklagebank rund um die umstrittene Milliardenprivatisierung der Buwog-Wohnungen sei, wundert ihn. „Während in Innsbruck die einst staatlichen Buwog-Wohnungen an allen Ecken und Enden für leistbares Wohnen fehlen und die Privatisierung die Preisspirale beschleunigt hat, trifft sich Dornauer zum amikalen Austausch mit jenem, der mit dem Deal Millionen verdient hat“, übt Mair scharfe Kritik. (pn, misp)