Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 26.03.2019


Bezirk Imst

Knalleffekt: Liftfusion Kühtai-Hochoetz vorerst auf Eis gelegt

Das eingereichte UVE-Konzept zur Liftfusion Kühtai-Hochoetz wird zurückgezogen. Die Projektwerber verordnen sich einen „breiten Diskussionsprozess“. Unbeirrt halten die Gegner am Protestmarsch fest.

Die Liftehe Kühtai-Hochoetz über das Schafjoch ist vorerst abgeblasen.

© EstermannDie Liftehe Kühtai-Hochoetz über das Schafjoch ist vorerst abgeblasen.



Von Agnes Dorn und Thomas Parth

Silz, Oetz – Die kontroversiell diskutierte Liftehe zwischen den zwei Skigebieten Hochoetz und Kühtai nimmt ein­e überraschende Wendung. „Die Bürgermeister von Oet­z, Haiming und Silz haben sich gemeinsam mit den Verantwortlichen der Bergbahnen darauf verständigt, das bereits eingebrachte UVE-Konzept (Umweltverträglichkeitserklärung, Anm.) beim Amt der Tiroler Landesregierung zurückzuziehen. Diesem Schritt soll ein auf breiter Basis angelegter Dialogprozess folgen, der alle Betroffenen umfasst“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der drei Bürgermeister.

Die Silzer Gemeinderäte wurden mit einer Vertragsklausel konfrontiert.
Die Silzer Gemeinderäte wurden mit einer Vertragsklausel konfrontiert.
- Dorn

„Gegner und Befürworter des Projektes haben eigentlich ein gemeinsames Ziel“, glaubt BM Josef Leitner, Haiming, zu wissen. Denn alle würden „die beste Entwicklung für die kommenden Generationen sicherstellen“ wollen. „Wir als Projekt-Befürworter meinen, dass wir unser Vorhaben für das Wohl unserer Kinder und Enkelkinder realisieren wollen. Die Gegner beanspruchen das ebenfalls für ihre Interessen und Vorhaben“, lässt sich Leitner zitieren. Deswegen wolle man nun mit allen Interessengruppen darüber reden, welcher Weg der günstigste sei. „Einer der unberührten Natur oder jener der Bewirtschaftung“, so Leitner.

Helmut Dablander, Bürgermeister von Silz, ergänzt: „Eine Nachdenkpause, in der ein sachlicher und faktenbasierter Austausch stattfindet, bietet die Chance, sich objektiv mit der Thematik zu beschäftigen. Und objektiv heißt, dass beide Seiten zu Wort kommen und mit ihren Anliegen auch Gehör finden.“ Während Hansjörg Falkner, BM in Oetz sowie Aufsichtsratsvorsitzender der Ski­region Hochoetz, eingesteht: „Die Kritik, dass wir nicht transparent informiert haben und die Menschen in der Region nicht eingebunden wurden, nehmen wir sehr ernst. Es wurden sicher auch Fehler gemacht, aus denen wir lernen wollen.“

Diese Aussendung kommt selbst für den Initiator der Petition gegen den Skigebietszusammenschluss, Gerd Estermann, überraschend: „Die Aussage, das UVE-Konzept zurückzuziehen, kommt zwar überraschend, doch bevor die Betreiber nicht dezidiert sagen, dass sie auf das Projekt, wie es derzeit vorliegt, verzichten, bleiben wir auf Schiene. Der Protestmarsch diesen Freitagnachmittag in Innsbruck findet jedenfalls statt. Wir fahren sogar mit vier Bussen ab Oetz.“ Die Ankündigung eines Dialogprozesses wundert Estermann ebenso: „Ein Dialog wäre von einem halben Jahr gefragt gewesen. Da hätte man sich viel erspart!“ Solange die Verzichtserklärung von Seiten der Betreiber nicht vorliege, sehe Estermann „das Ganze als ein taktisches Hinauszögern“ angesichts der bevorstehenden Gemeinderatssitzung in Silz, wo eine Abstimmung über das Projekt ansteht.

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In einem nächsten Schritt wollen sich Gemeinden und Betreiber um eine strukturell­e Form für den Diskussions­prozess bemühen. Angedacht sei u. a. ein Dialogforum.

Alter Vertrag nimmt Silzer Gemeinderat in Würgegriff

Silz — Dass eine Abstimmung im Silzer Gemeinderat über die geplante Lift­ehe Hochoetz-Kühtai wohl mehrheitlich negativ ausfallen könnte, brachte offenkundig die Befürworter in Zugzwang. Per E-Mail wurden die Bürgervertreter über einen Zusatz eines Vertrages aus den 80ern informiert. Ein Rechtsgutachten von RA Christian Girardi inklusive. Darin erläutert der Anwalt, dass die Gemeinde Silz als Grundeigentümerin „im Fall der Errichtung neuer Anlagen, insbesondere bei der Verwirklichung des Projektes ,Kühtai-Pirchkogel-Feldring-Inntal-Ochsengarten'" dazu verpflichtet sei, dieser „unbedingt" zuzustimmen.

Girardi bezieht sich auf einen Nachtrag aus dem Jahr 2000 zu einem Vertrag von 1983: „Von den Vertragsparteien wird vereinbart und festgelegt, dass sich die Gemeinde Silz als Grundeigentümerin und die Agrargemeinschaft Silzer Alpen als Nutzungsberechtigte verpflichten, zum Zwecke der grundbücherlichen Besicherung der vorbegründeten Berechtigungen über jederzeit mögliches Verlangen der Liftgesellschaft als Berechtigte entsprechende verbücherungsfähige Urkunden und Verträge zu fertigen und der Einverleibung entsprechender Dienstbarkeiten zuzustimmen bzw. der Übertragung des Eigentumsrechtes hinsichtlich der Talstationsgebäudefläche der Pirchkogelbahn einzuwilligen."

Als Vertragspartner bei der detaillierten Ablöseregelung scheinen neben den Bergbahnen Kühtai auch die Agrargemeinschaft Silzer Alpen sowie die Gemeinde Silz auf. (ado)