Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 28.03.2019


Patientenversorgung

Innsbrucker Med-Uni pocht auf Mitsprache bei Spitalsreform

Skepsis über die vorgeschlagenen Maßnahmen - vor allem was die Bettenreduktion an der Innsbrucker Klinik betrifft -, lässt Medizin-Rektor Wolfgang Fleischhacker anklingen.

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© Foto TT / Rudy De Moor



Von Peter Nindler

Innsbruck – Es war gestern wohl nicht die letzte Debatte im Tiroler Landtag über die angekündigte Spitalsreform. SPÖ (Elisabeth Fleischanderl), FPÖ (Patrick Haslwanter) und Liste Fritz (Andrea Haselwanter-Schneider) lassen es nicht gelten, dass Gesundheits-LR Bernhard Tilg (ÖVP) das Zusperren von Krankenhäusern und die Verlagerung wichtiger Abteilungen als Verbesserung der Patientenversorgung verkaufen möchte. Außerdem werfen sie Tilg ein Kommunikationsdesaster vor, weil er die Betroffenen in den Krankenhäusern nicht eingebunden habe. Und die Oppositionsparteien lehnen die Schließung von Natters und das Übersiedeln der Kinderstation von St. Johann nach Kufstein ab.

Anders NEOS-Landessprecher Dominik Oberhofer: Er war zwar für eine Debatte im Landtag, doch inhaltlich stärkt er dem Gesundheitslandesrat den Rücken. Weil es Zusammenlegungen benötige, aber: „Sie müssen aber auch in den Rückspiegel schauen, denn ihre eigenen Leute sind nicht begeistert“, sagte er zu Tilg. Dieser argumentierte mit geänderten Voraussetzungen. „Es sind 40 Maßnahmen in den einzelnen Krankenhäusern, die die medizinische Versorgung verbessern sollen.“ Tilg verspricht einen breiten Diskussionsprozess und spricht von der Notwendigkeit, die Spitäler mit tages- und wochenklinischen Behandlungen zu entlasten. Bis Juli soll ein Reformergebnis auf dem Tisch liegen.

Der grüne Klubchef Gebi Mair fordert dazu auf, das Fächer- und Bettendenken zu überwinden. „Wir müssen Engagement und Fachkenntnis wahrnehmen und interdisziplinär zusammenführen.“

Skepsis über die vorgeschlagenen Maßnahmen – vor allem was die Bettenreduktion an der Innsbrucker Klinik betrifft –, lässt Medizin-Rektor Wolfgang Fleischhacker anklingen. Es gebe die gemeinsame Absichtserklärung für strukturelle Reformen, „aber dass eine Bettenreduktion im Busch ist, wusste ich nicht“. Die Med-Uni wird jetzt einmal ohne Zeitdruck das Konzept der Gesundheitsberater bewerten. „Klar ist jedoch, dass wir den Prozess von unten angehen.“ Dann werde man sehen, was herauskomme. Deutlich macht der Medizin-Rektor, dass die Spitalsreform an der Klinik nur auf Basis der mit dem Bund abgeschlossenen Leistungsvereinbarung und unter Berücksichtigung der Personalressourcen, der aktuellen Infrastrukturabgeltung (Klinischer Mehraufwand) sowie der notwendigen Schnittstellen zwischen Lehre und Forschung erfolgen könne.