Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 04.04.2019


Innsbruck-Land

Agrar Igls und Stadt stellen Weichen für sozialen Wohnbau

Sowohl Stadtwohnungen als auch Eigentumswohnungen zu leistbaren Preisen für Igler sollen bei einem IIG-Projekt realisiert werden.

Vorerst liegt die Entscheidung, ob das Projekt Am Bichl 3 in Igls kommt oder nicht, auf Eis.

© Foto TT/Rudy De MoorVorerst liegt die Entscheidung, ob das Projekt Am Bichl 3 in Igls kommt oder nicht, auf Eis.



Von Denise Daum

Innsbruck – Aller guten Dinge sind drei: Nach den leistbaren Wohnbauten Bichl 1 und 2 in Igls soll nun Bichl 3 folgen. Die Innsbrucker Immobiliengesellschaft (IIG) und die Agrargemeinschaft Igls haben sich zu folgendem Deal durchgerungen: Die Agrar verkauft deutlich unter Marktwert rund 7000 Quadratmeter an die IIG, die wiederum 50 Wohnungen errichtet. 65 Prozent davon laufen als Stadtwohnungen, 35 Prozent als Eigentumswohnungen, die zu leistbaren Preisen an Igler vergeben werden. Die Vergabe für Letztere soll beim Unterausschuss Igls liegen.

Damit werden gleich zwei Begehrlichkeiten erfüllt: die der Stadt Innsbruck nach weiteren Sozialwohnungen in allen Stadtteilen und damit auch in Igls. Und jene der Agrar Igls, Wohnungseigentum zu leistbaren Preisen für Igler Familien zu schaffen.

Sowohl IIG-Chef Franz Danler als auch Agrar-Obmann Karl Zimmermann bestätigen im Gespräch mit der TT diese Übereinkunft.

Zimmermann erklärt, dass er grundsätzlich zufrieden sei, die Agrar sich aber einen anderen Platz in Igls für dieses Vorhaben gewünscht hätte. „Die Dichte dort ist schon relativ hoch. Die Stadtplanung hat uns aber gleich gesagt: entweder Am Bichl oder gar nichts. Und bevor wir nichts realisieren können, haben wir halt nachgegeben. Die Bedingung war, dass sich der Neubau gut in den Bestand einfügt und die Dichte beschränkt wird.“

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Doch noch ein anderer, für die Agrargemeinschaft ganz wesentlicher Punkt wurde ausverhandelt: dass das umstrittene Projekt am Widumplatz in Igls nun um ein Geschoß niederer gebaut wird. Wie berichtet, stieß der geplante „Turmbau“ der IIG am Parkplatz zwischen Igler Straße und Widumweg bei der Präsentation auf massiven Widerstand der Igler. In dem rund sieben Millionen Euro teuren Bau sollen betreutes Wohnen, ein Lebensmittelmarkt, Arzt und Geschäftseinheiten untergebracht werden. „Wir bauen dort fünf Wohnungen weniger und werden niederer. Zum Ausgleich werden die Stadtwohnungen am Bichl errichtet“, bestätigt IIG-Chef Franz Danler.

Bürgermeister Georg Willi betont, dass er der „Agrar sehr dankbar für ihre Kompromissbereitschaft ist, die dieses Projekt ermöglicht“. Zudem konnte den Iglern ihr „Hauptwunsch“ nach einem weniger hohen Bau am Widumplatz erfüllt werden.

Willi verweist außerdem auf eine Grundregel, die die Stadt Innsbruck in Zukunft immer anwenden will, wenn sie leistbares Eigentum schafft: Im Falle eines Weiterverkaufs darf nur der Einkaufspreis plus Indexierung verlangt werden.

Im Übrigen haben nicht alle in Igls eine Freude mit dem Bauprojekt Bichl 3. Unmutsbekundungen von Anrainern sind Agrar-Obmann Zimmermann bekannt. Verständnis dafür hat er allerdings wenig. „Diejenigen, die dort wohnen, haben ihre Wohnungen auch zu sehr leistbaren Preisen bekommen.“

FPÖ warnt: „In Igls brennt der Hut“

Innsbruck — Dringenden Handlungsbedarf in Sachen Infrastruktur in Igls sieht FPÖ-Gemeinderat und Mitglied im Stadtteilausschuss Bernhard Schmidt. Der Kindergarten platze aus allen Nähten, die Kapazitätsprobleme seien seit Jahren bekannt. „Anstatt sich eine ordentliche Lösung zu überlegen, hilft man sich mit Aussiedelungen einzelner Kindergartengruppen. Das kann es nicht sein", ärgert sich Schmidt. Vorprogrammiert seien zudem Platzprobleme bei der Nachmittagsbetreuung in Igls. „In Igls sind derzeit 200 Wohnungen im Bau beziehungsweise geplant. Das heißt, dass in absehbarer Zeit noch mehr Familien mit Kindern dazukommen", erklärt Schmidt. Da komme die Infrastruktur nicht mehr mit. Die FPÖ fordert die Stadtregierung auf, sich endlich um Igls zu kümmern. In Sachen Kinderbetreuung wünscht sich Schmidt, eine Art Campus bei der bestehenden Volksschule zu errichten. (dd)