Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 10.04.2019


Bezirk Reutte

NEOS stört die Scheinheiligkeit bei Transitfrage im Bezirk Reutte

Derzeit werde die Diskussion fast hysterisch und letztendlich auch scheinheilig geführt. Mobilität sei ein hohes Gut und wichtiger Bestandteil des Wohlstandes, so die Verantwortlichen.

Am NEOS-Standpunkt hat sich seit der Landtagswahl 2018 (Bild) nichts geändert: Markus Moll, Dominik Oberhofer, Heinz Kotz (v. l.) treten für den Bau eines großen Tunnels ins Inntal ein.

© Mittermayr HelmutAm NEOS-Standpunkt hat sich seit der Landtagswahl 2018 (Bild) nichts geändert: Markus Moll, Dominik Oberhofer, Heinz Kotz (v. l.) treten für den Bau eines großen Tunnels ins Inntal ein.



Reutte – „Der Transitverkehr scheint etwas ganz Böses zu sein. Er bringt nur Nachteile und vermindert die Lebensqualität in unserem einmaligen Teil von Tirol. Das ist der gemeinsame Nenner, auf den sich jeder Stammtisch zwischen Biberwier, Steeg und Musau jederzeit einigt.“ Markus Moll von der NEOS-Bezirksgruppe Außerfern kann diesen Standpunkt keineswegs teilen. Seine Partei dürfte im Außerfern Alleinstellungsmerkmal haben, heißt sie doch Transitverkehr prinzipiell willkommen. Die Außerferner NEOS um Moll und Heinz Kotz wiederholen daher unermüdlich ihre Position für den Bau großer Verkehrslösungen und verlangen den Gartnerwandtunnel von Bichlbach nach Nassereith. Wie übrigens auch die FPÖ und nicht wenige Einzelpersonen – jüngst der Pflacher Bürgermeister Schönherr oder immer wieder Alt-LA Zwölfer von „Vorwärts“.

Moll weiters: „Mit Transit meinen die meisten natürlich nur den Verkehr, den ‚die anderen‘ verursachen. Aber auch wir Außerferner produzieren Verkehr, und das jeden Tag. Ob wir nach Kempten oder Innsbruck fahren, um dort einzukaufen, eine Messe besuchen oder uns mit Freunden treffen oder wenn wir gar ein Wochenende am Gardasee verbringen möchten.“ Moll zählt Arbeitgeber wie Plansee, Multivac oder Koch Media auf – und alle Beschäftigten seien froh über sichere, gut bezahlte Jobs. „Woher bekommen diese Firmen aber ihre Rohstoffe und wie werden die im Außerfern hergestellten Produkte in die ganze Welt geliefert?“, hängt er eine rhetorische Frage an.

Derzeit werde die Diskussion fast hysterisch und letztendlich auch scheinheilig geführt. Mobilität sei ein hohes Gut und wichtiger Bestandteil des Wohlstandes. Der Personen- und Güterverkehr von Deutschland nach Italien werde noch weiter zunehmen. „Die Situation im Außerfern braucht Lösungen und keine zweite Blockabfertigung, die zweifellos mit dem Scheiteltunnel entstehen wird. Das ist Stückwerk. Deshalb kann die Lösung nur eine Straße sein, die den Verkehr von Füssen ins Inntal bringt, und das mit der geringsten Beeinträchtigung für die Bevölkerung.“

Die Belastungen und Risiken für Mensch und Umwelt, insbesondere an verkehrsintensiven Tagen und Wochenenden, müssten verbessert und die Versorgungssicherheit gewährleistet werden. Das sei möglich durch die Nutzung der bestehenden Umfahrungen und einen Gartnerwandtunnel, der von Bichlbach in den Berg geführt werde und nach sechs bis acht Minuten in Nassereith wieder ans Tageslicht komme. Und schlussendlich durch einen neu geplanten Tschirganttunnel ins Inntal. Dies würde die Fahrstrecke durch das Außerfern auf 24 km halbieren. Die heute notwendigen Blockabfertigungen würden überflüssig und der Verkehr fließen, egal in welcher Dichte – sind Moll und Kotz überzeugt. „Eine Bemautung, von der die heimische Bevölkerung ausgenommen ist, befürworten wir auch.“ (hm)

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