Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 15.04.2019


Synergien

Gemeinden: Zusammen ist man weniger allein

Kooperation statt (Zwangs-)Fusion lautet die Devise in Tirol. Im Bezirk rücken immer mehr Gemeinden zusammen. Das soll nicht nur Geld sparen, sondern auch die Stimmung in der Bevölkerung heben.

Die nah beisammen liegenden Gemeinden Kematen, Zirl und Inzing starten eine interkommunale Zusammenarbeit.

© Thomas Boehm / TTDie nah beisammen liegenden Gemeinden Kematen, Zirl und Inzing starten eine interkommunale Zusammenarbeit.



Von Denise Daum

Kematen, Matrei, Mieders – Das Kirchturmdenken scheint in Tirol langsam weniger zu werden. In Innsbruck-Land schauen immer mehr Bürgermeister über den Tellerrand und starten mannigfaltige Kooperationen mit ihren Nachbarn. Von „Synergien nutzen“ ist dabei immer die Rede. Auch wenn das fast wie ein Stehsatz klingt – die Zusammenarbeit bewährt sich.

Eine Vorreiterrolle haben die Gemeinden Mieders und Schönberg mit ihrem gemeinsamen Bauamt eingenommen. Seit Herbst 2017 werden Bauagenden für beide Gemeinden in Schönberg erledigt. Die Bürgermeister Daniel Stern (Mieders) und Hermann Steixner (Schönberg) sind überaus zufrieden mit der Verwaltungsgemeinschaft. Positive Effekte seien beispielsweise die enorme Entlastung des Verwaltungspersonals, eine Qualitätsverbesserung sowie der effiziente Einsatz von finanziellen Ressourcen. „Wir waren tirolweit die Ersten, die das gemacht haben, und es hat sich voll bewährt“, erklärt Stern. Voraussetzung für eine funktionierende Zusammenarbeit sei eine Kommunikation auf Augenhöhe zwischen den Gemeinden, ist Stern überzeugt.

An eine gemeinsame Zukunft denken auch Kematen, Zirl und Inzing. Die drei Gemeinden haben vor Kurzem das Projekt „Interkommunale Zusammenarbeit“ gestartet. Sie haben einige Gemeinsamkeiten – „vor allem aber gemeinsame Probleme wie Verkehr und Umweltbelastung“, erklärt Kematens Bürgermeister Rudolf Häusler. Probleme würden sich im Team besser lösen lassen. „Wir dürfen nicht miteinander in Konkurrenz treten, sondern müssen das Miteinander stärken“, sagt Häusler. Das tue auch der Bevölkerung gut. Im Herbst soll erstmals ein Dreiergemeinderat stattfinden, Projektgruppen haben bereits ihre Arbeit aufgenommen.

Kematen hat schon Erfahrung mit überregionaler Zusammenarbeit. Im Jahr 2018 hat die Gemeinde mit Unterperfuss, Polling, Ranggen, Gries im Sellrain und St. Sigmund ein gemeinsames Bauamt eingerichtet. Die „Baurechtsverwaltung Region an der Melach“ sei ein „Erfolgskonzept“ und habe ihn bestärkt, vermehrt mit anderen Gemeinden zu kooperieren. Eines stellt Rudolf Häusler aber auch deutlich klar: „Der Kirchtum bleibt!“ Das „F-Wort“ (Fusion, Anmerkung) wolle er nicht einmal in den Mund nehmen, geschweige denn daran denken.

Während „Fusion“ für Kematens Bürgermeister ein böses Wort ist, steht es für den Bürgermeister von Mühlbachl Alfons Rastner als logische Konsequenz am Ende der Reise „Gemeindekooperation“. Auf den Weg gemacht haben sich die drei Gemeinden Matrei, Mühlbachl und Pfons, die geographisch ohnehin verschmolzen sind, vor genau einem Jahr: Bei einem Dreiergemeinderat im April 2018 hat die Mehrheit eine Fusion befürwortet. Vor Kurzem ist als vorbereitender Schritt die Verwaltungskooperation gestartet, Finanzverwaltung, Bürgerservice, Meldewesen und Standesamt für alle drei Gemeinden befinden sich nun in Matrei. „Die Stimmung in der Bevölkerung ist sehr gut, wir bekommen nur positive Rückmeldungen“, betont Rastner. Die Fusion soll jedenfalls vor der nächsten Gemeinderatswahl 2022 über die Bühne gehen.

Intensiv gefördert werden die Gemeindekooperationen vom Land Tirol. Der zuständige Landesrat Hannes Tratter zeigt sich erfreut über die wachsende Zusammenarbeit der Gemeinden. „Vor allem in ökonomischer Hinsicht lassen sich durch professionelle Kooperationen über die Gemeindegrenzen hinweg Ressourcen besser nutzen. Die Bündelung der Mittel erleichtert die Realisierung größerer Vorhaben, die für eine einzelne Gemeinde kaum finanzierbar wären.“ In Zukunft sollen auch die Planungsverbände gestärkt werden.