Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 16.04.2019


Bezirk Reutte

Straßenblockade in Pflach blieb ohne Zugkraft

An der Straßenblockade in Pflach nahmen nur 50 Personen teil. Die grüne Veranstalterin Karlen freut sich trotzdem, den Ausweichverkehr ausgebremst zu haben. BR Zaggl (SPÖ) kündigt weitere Maßnahmen an.

Die Protagonisten der Sperre verliehen im Innenbereich ihrem Protest Ausdruck.

© Mittermayr HelmutDie Protagonisten der Sperre verliehen im Innenbereich ihrem Protest Ausdruck.



Von Helmut Mittermayr

Pflach – Samstagvormittag fand sie statt – die erste Straßensperre von Außerferner Transitgegnern seit weit über einem Jahrzehnt. Der ausufernde Ausweichverkehr von der Fernpassstraße in den Raum Reutte hatte die grüne Bezirkssprecherin Regina Karlen dazu bewogen, zum öffentlichkeitswirksamen gemeinsamen Protest aufzurufen. In Pflach wurden daher – wie berichtet – am Ortsende zwischen dem Kreisverkehr Abfahrt Reutte Nord und der ehemaligen Pfanner Stube die Scherengitter ausgezogen. Rot und Grün hatten sich im Protest vereint und traten zusammen auf. Zwischen 20 und 50 Personen pendelte schließlich die Teilnehmerzahl im Lauf des Vormittags.

Regina Karlen ist zufrieden. „Das Ziel ist erreicht, der Ausweichverkehr ausgebremst und mehr Bewusstsein für das Thema geschaffen. Wir wollten es unpolitisch angehen, Teil der Bevölkerung und nicht Politiker sein.“ Karlen empfiehlt anderen Orten, den Protestmaßnahmen zu folgen. Warum könne Vils nicht einen Markt mitten in der Stadt veranstalten oder Pinswang eine Marschierprobe der Musikkapelle auf die Straße verlegen? Mit der Teilnehmerzahl ist sie nicht wirklich happy: „Ich weiß auch nicht, warum nicht mehr gekommen sind. Es gibt x Gründe. Vielleicht das kalte Wetter, die Grünen als Einladende oder die Anreise mit Öffis oder Rad?“ Die Maßnahme bezeichnet Karlen trotzdem als sehr gelungen.

Polizeibeamte bekamen an den Scherengittern den Unmut der Abgewiesenen, vor allem von Einheimischen, zu hören.
Polizeibeamte bekamen an den Scherengittern den Unmut der Abgewiesenen, vor allem von Einheimischen, zu hören.
- Mittermayr Helmut

Auch Bundesrat Stefan Zagg­l (SPÖ) als Mitprotestierer kann der Aktion nur Positives abgewinnen. „Nur ein einmaliger Protest bringt nicht viel. Wir überlegen uns also weitere Schritte, wissen aber noch nicht genau, was wir machen. Das wird erst besprochen.“ Die geringe Teilnehmerzahl führt er darauf zurück, dass viele wohl lieber einkaufen gegangen wären oder einen Termin gehabt hätten.

Die hervorragende Ausbildung der Polizei in puncto „Deeskalation“ war an den Scherengittern zu beobachten. Nicht wenige, vor allem Einheimische, die um „Einlass baten“ und abgewiesen werden mussten, ließen ihrer Wut freien Lauf. Sie wurden freundlich, aber bestimmt aufgefordert, den Kreisverkehr nicht zu blockieren und weiterzufahren, und zogen schimpfend wie Rohrspatzen davon. Zaggl dankt Karlen für die Idee sowie Bauamtsmitarbeitern und der Polizei für die klaglose Abwicklung. Karlen wiederum dankt dem – zu Hause gebliebenen – Pflacher Bürgermeister Helmut Schönherr, dass er eine zusätzliche, weiter nördliche aufgestellte Dosierampel an der B179 gefordert habe. Auch wenn er ein grundsätzlicher Gegner der Straßensperre in seinem Dorf gewesen sei, wäre dies ganz im grünen Sinne.

Beschäftigung während der Demo: Wenn schon keine Autos da waren, wurden sie auf die Straße gemalt und die Abgase durchgestrichen.
Beschäftigung während der Demo: Wenn schon keine Autos da waren, wurden sie auf die Straße gemalt und die Abgase durchgestrichen.
- Mittermayr Helmut

Ein Pflacher, der mit dem Ausweichverkehr keine Freude hat, aber zur Demo nicht hingehen wollte, zur TT: „Wen wollen sie damit eigentlich beeindrucken?“